Schreibstil:Den Schreibstil von Carina Benning habe ich wirklich geliebt! Sie schreibt sehr passend zur Geschichte mit vielen raffinierten Details, jedes Wort scheint genau überlegt. So klingen ihre Dialoge wie geschickte Spielpartien, ihre Gedankengänge wie ein Strudel innerer Zerrissenheit, die gar nicht groß beschrieben werden muss, und ihr Setting genauso faszinierend, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Ich konnte mich super einfach in die Geschichte fallen lassen und war komplett gefesselt. Nur zum Ende hin übertreibt sie es vielleicht manchmal ein wenig mit den Metaphern und Gedankengängen innerhalb der Liebesgeschichte.Die Geschichte – Betrügerin betritt das prestigeträchtigste Casino Monacos, um zu verlierenMit einem kleinen Zwei- oder Einzeiler vorweg, der Andeutungen auf die Vergangenheit oder Gegenwart macht und direkt aus den Gedanken der beiden Hauptfiguren stammt, beginnt jedes Kapitel entweder erzählt aus der Perspektive von Dawn oder Gabriel. Der Einstieg im Buch fiel mir durch diese erste Andeutung aus dem Zweizeiler und der unmittelbaren Erzählung von Dawns Eintritt ins Durable unheimlich leicht. Ich war sofort verzaubert von dem wirklich gut beschriebenen Setting. Dabei wird gar nicht so sehr der Fokus auf das Aussehen von allem gemacht, sondern vielmehr schafft es die Autorin am Anfang direkt, den besonderen Vibe, den das Casino versprüht, rüberzubringen: teuer, klassisch, elitär, aber auch gut durchdacht, präzise und bewusst fernab der Realität. Es geht ums Spielen, ums Loslassen, aber auch ums Angeben und gesehen werden.Dawn – Gestaltswandlerin, die sich selbst unter all den Masken verloren hatKeine Angst, hier wird es jetzt nicht tierisch, das Buch hat keine Fantasyelemente. Mit Gestaltswandlerin ist vielmehr gemeint, dass Dawn eine Künstlerin darin ist, sich zu maskieren. Sich immer wieder in neue Rollen zu versetzen und ihr Äußeres denen entsprechend anzupassen. So kommt Dawn in das Casino und tatsächlich bekommt man auch gleich mit, dass sie ihre ganze Aufmachung erdacht hat, aber Dawn selbst lernt man nicht direkt kennen. Man weiß nur, dass sie Angst hat.Und das ist dann auch der Kern der ganzen Geschichte: Dawn hat Angst vor jemandem und hat irgendwie den Moment verpasst, je sie selbst ohne Maske zu sein. Das ist jetzt kein Spoiler, sondern wird direkt auf den ersten Seiten klar. Wenn sie jetzt auf euch schwach klingen mag, dann ist das aber gar nicht das, was Dawn ausstrahlt. Denn ihr Hirn denkt unheimlich systematisch. Sie entdeckt Details, die keiner sieht, hat ein unheimlich gutes Gespür für das Spiel und für die Menschen um sie herum. So ist es einfach unglaublich faszinierend und spannend, sie zu verfolgen.Dazu kommt, dass ihr Charakter nur nach und nach aufgebrochen und sichtbar wird. Dazwischen zeigt sie immer wieder, wie maskieren nicht nur mit dem Färben der Haare zu tun hat, sondern auch damit, zu lachen, wenn man eigentlich heulen möchte. Und das glaubhaft. Also wirklich eine Gestaltswandlerin und für mich eine der faszinierendsten Protagonistinnen, von denen ich jemals gelesen habe.Die Angst ist aber dennoch nicht zu verleugnen. Sie bringt eine weitere Komponente in die Geschichte, die allem einen fast kriminalistischen, actionreichen Touch verpasst. Denn ein Mysterium bedroht das Durable und Dawn steckt mitten drin. Ich mochte es sehr, wie sie ihre Fähigkeiten nutzte, um dem Casino zu helfen und gleichzeitig immer auf der Hut vor anderen Möglichkeiten war. Man merkte, wie sehr sie und alle um sie herum mit dem Feuer spielten, was die Spannung stets hoch hielt.Gabriel als Liebhaber – der Inbegriff des Durables: arrogant, verschlossen, alleinGabriel ist so eine typische Figur, bei der man gleich merkt, dass es da eine sehr harte Schale zu knacken gibt. Trotzdem fand ich ihn überaus sympathisch, denn er zeigte sich mit seinen Brüdern, die definitiv ihre eigenen Bücher verdient haben, denn sie haben soo viel Charakter!, stets sehr freundlich und sensibel. Dawn zeigt er diese Seite natürlich nicht gleich. Für ihn zählt in erster Linie das Durable und dabei vergisst er nicht nur oft sich selbst, sondern übersieht in seiner Arroganz und seinen Traditionen auch Dinge, die ihm eigentlich auffallen könnten. Während Dawn ihr Inneres nach außen kehrt und sichtbar macht im Laufe der Geschichte, muss Gabriel seinen Panzer abwerfen, um richtig sehen zu können. Alles darunter ist eigentlich schon längst edelmütig und liebevoll.Die Charakterentwicklung bei beiden hat mich so wirklich überzeugt und auch ihre Anziehung zueinander fand ich sehr gut fassbar. Was vielleicht etwas schwierig war und damit mein eigentlicher Kritikpunkt an dem Buch ist, ist, dass die Liebesgeschichte zu sanft zu viel Platz einnahm. Da wohl Gabriel Edelmut gegenüber seinen Brüdern zeigt und stets das Wohl des Durables im Sinn hat, da ist er gegenüber Dawn verständnisvoll und gleichzeitig fordernd, denn die beiden verstehen es, über Probleme zu reden. So ist Vertrauen in ihrer Beziehung tatsächlich kein Problem. Und das fand ich außerordentlich gut gemacht. Nichts mag ich weniger als wenn die Figuren nicht miteinander reden und sich dann infolgedessen kindisch verhalten.Die Liebesgeschichte hat aber dort ein wenig von ihrer Essenz verloren, wo sie sich zu sehr in Dawn fehlender Nähe zu sich selbst verlor. Immer wieder wurde das Thema aufgewühlt. Und ja, sowas ist ein Prozess, dem ich auch gerne mehrere Seiten gönne, aber zwischendurch verlor es sich dann doch etwas in Wiederholungen und Metaphern, die wie Drumherumgerede wirkten.Zudem nahm dieser Fokus leider ein wenig den Fokus von den Geschehen im Casino, die mich zuvor noch so fasziniert hatten.Das Durable in Gefahr – der actiongeladene, überlegte Teil dieser GeschichteDenn dort, wo es anfangs noch um viele Details geht, Vermutungen angestellt und Hinweise aufgedeckt werden, konzentriert sich der Mittelteil irgendwann nur noch sehr auf Dawn. Gabriel selbst sagt, seine Prioritäten haben sich verschoben und das ist auch alles nachvollziehbar dargestellt, aber gerade in Verbindung mit den ausschweifenden Gesprächen, hat das einfach dazu geführt, dass die Raffinesse etwas verloren ging und sich der Mittelteil etwas zog.Auch das Ende hat dies dann leider nicht mehr wirklich aufgenommen. Zwar nahm die Geschichte nochmal Fahrt auf, aber sie konnte nicht wieder zu dem ursprünglichen Glanz zurückfinden. Zumal die Auflösung dann relativ einfach war und so viel komplexer hätte sein können.Trotzdem habe ich das Buch bis zur letzten Seite sehr gerne gelesen, denn die Beziehung zwischen Gabriel und Dawn ist wirklich schön, die zu seinen Brüdern auch und ich fand es auch ganz schön, dass es diese Metaphern überhaupt gab und Dawn und Gabriel in diesem Band wirklich Beziehungsarbeit geleistet haben. So kann ich mir eine Zukunft für die beiden vorstellen und das ist mir persönlich am Ende einer Liebesgeschichte immer sehr wichtig.Fazit:Ein sehr cooles Setting, ein Schreibstil, der klug ist und die Liebe im Detail zeigt, schlagfertige, intelligente Hauptfiguren und liebeswerte Nebenprotagonisten – ich war sofort gefangen und habe die Geschichte sehr gerne gelesen. Es gibt sowohl Actionelemente als auch etwas zum Mitdenken, was die Spannung die meiste Zeit über sehr hoch gehalten hat. Im Mittelteil zieht sich die Geschichte etwas, da die Liebesgeschichte sehr ruhig und ausschweifend in ihren Dialogen wird. Dabei verlor sich dann etwas die sonstige Spannung. Am Ende eine solide Geschichte mit vielen Pluspunkten, die ich sehr gerne gelesen habe.Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.