Die Anatomie der Einsamkeit

Roman. Ein einfühlsamer Roman über die Wucht der Einsamkeit und den Mut, Neuanfänge zu wagen

4.54545 Sterne

(33 Bewertungen insgesamt)

Ein kluger Roman über Sehnsucht, Mut und Hoffnung

Journalistin Olive träumt von der ganz großen Geschichte - und davon, endlich ein Zuhause zu finden. Zwar ist sie in einer liebevollen Familie aufgewachsen, aber sie wird das Gefühl nicht los, dass ihr etwas fehlt, um wirklich glücklich zu sein. Können ausgerechnet die Nachforschungen zu dem alten, scheinbar wertlosen Kompass ihrer Großmutter Olive aus ihrer Einsamkeit führen?

Zwanzig Jahre zuvor führt Claire ein Leben auf der Überholspur. Aber die Nachricht vom Tod ihrer Schwester Iris wirft sie aus der Bahn. Sie flieht Hals über Kopf auf die kleine Felsinsel, auf der Iris lebte. Dort findet Claire haufenweise Zeichnungen - darunter auch eine von einem alten, scheinbar wertlosen Kompass ...

22,00 €

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Produktinformationen

Verlag

Lübbe

Format

Buch (Hardcover)

Genre

Literarische Unterhaltung

Seitenanzahl

448 Seiten

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7577-0103-1

Pressestimmen

Besonders eindrucksvoll sind die klugen, tiefgründigen Dialoge und die vielschichtigen Charaktere.
Rezensöhnchen, 31.03.2026

33 Meinungen zu diesem Titel

Rezensionen aus der Community

4 Sterne
23.10.2025
Spannend und berührend, nicht ganz überzeugendes Ende
Inhalt: Zwei Zeitebenen, zwei Frauen, deren Schicksale enger miteinander verknüpft sind, als sie es sich vorstellen können. Deutschland, Dänemark, New York, London. Liebeskummer, Flucht und Vertreibung. Ein Leichenfund, der alles auf den Kopf stellt, eine Reise, welche unangenehme Fragen aufwirft und ein Kompass, der alles zusammenhält. Meine Meinung: Das Buch habe ich vor einiger Zeit mit meinen Prämienpunkten in der Lesejury "gekauft", weil mich im Februar auch schon "Die Halbwertszeit von Glück" von Louise Pelt zu überzeugen vermochte. Während Olive in der Gegenwart (2022) versucht, ihrer Chefin zu beweisen, dass sie doch das Zeug zur Journalistin hat, ist Claire im Jahr 2000 gerade dabei, eine höhere Sprosse der Karriereleiter zu erklimmen und ich habe mit beiden Frauen mitgefiebert und mitgefühlt. Auch wenn ich einige kleinere Dinge zu bemängeln hatte, hat mich das Buch doch sehr gut unterhalten und der flüssig zu lesende Schreibstil hat mich nur so durch die Geschichte rasen lassen. Schreibstil und Aufbau: Die Geschichte kommt eher langsam in Gang und wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Abwechselnd befinden wir uns 2000 bei Claire in New York und 2022 bei Olive in London. Zwischen diese Abschnitte werden immer wieder kurze Gedichte eingeschoben, von denen erst im Verlauf der Geschichte klarer wird, wie sie mit der Rahmenhandlung zusammenhängen. Puzzlestück für Puzzlestück wird die Geschichte zusammengesetzt, jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger und wo sich die Autorin anfangs viel Zeit nimmt, um in alle Details einzutauchen, entwickelt sich die Handlung immer rasanter bis hin zum leider sehr überstürzten und in meinen Augen nicht ganz zufriedenstellenden Ende. Die Figuren, die ich so lange begleitet und liebgewonnen hatte, wurden mir plötzlich entrissen und auch wenn alles aufgelöst wird und sich insgesamt ein stimmiges Ganzes ergibt, hatte ich am Schluss des Buches doch das Gefühl, noch das eine oder andere Gespräch, die eine oder andere Aussprache und Annäherung verpasst zu haben. Meine Empfehlung: Was wissen wir wirklich über unsere Grosseltern? Welche Fragen würden wir ihnen stellen, wenn wir noch einmal fragen könnten? Louise Pelt stellt genau dies in den Raum und geht auch den Themen Schuld und Verantwortung sowie der Beziehungsdynamik von Geschwistern auf den Grund. Sie schreibt leicht und zugänglich und hat mich trotzdem stark berührt, auch wenn mich das Ende der Geschichte nicht ganz überzeugen konnte. Trotzdem möchte ich euch das Buch empfehlen.
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Samtpfote

4 Sterne
19.03.2025
Ein sehr tiefgründiges Werk über die vielen Facetten der Einsamkeit
Louise Pelt verwebt in ihrem Roman die Geschichten dreier Frauen, die in unterschiedlichen Zeiten leben, und doch verbunden sind. Nicht nur durch ihre Verstrickung mit einem bestimmen Kompass, sondern auch durch das Gefühl der Einsamkeit. Ein Thema das wahrscheinlich so alt ist wie die Zeit selbst, und auch heute trotz der enormen Möglichkeiten zur Vernetzung mit der ganzen Welt, nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat. Denn Einsamkeit bedeutet nicht nur allein zu sein. Das Buch zeigt das man auch umringt von Menschen die einen lieben einsam sein kann, dass man auch einsam sein kann wenn man alles im Leben erreicht zu haben scheint. Dadurch regt das Buch sehr zum Nachdenken an und hat mich sehr gut unterhalten. Einen halben Stern Abzug gibt es weil mir die Rolle, die der Kompass gespielt hat am Ende zu klein war, und Olive als Protagonisten öfter schwierig war. Ihre Handlungsweisen und Empfindungen waren für mich oft nicht nachvollziehbar und waren mir viel zu überdramatisch dargestellt, was die Geschichte meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Es wird allerdings definitiv nicht mein letztes Werk der Autorin sein, weil die Sprache unglaublich schön ist und die Geschichte noch lange nachhallen wird.
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SvenjaD08

4 Sterne
17.03.2025
Gemeinsam einsam
Im Buch verfolgen wir die Lebenswege ganz unterschiedlicher Frauen, die aber durch die im Titel angesprochene Einsamkeit verbunden sind. Da ist Claire, die nach dem Tod ihrer Schwester auf deren Insel zieht, um Abschied zu nehmen und zu sich selbst zu finden. Und da ist Olive, die das Geheimnis des Kompasses, den ihre Großmutter ihr geschenkt hat, ergründen will. Besonders gut hat mir gefallen, auf welche Weise die Geschichten letztendlich miteinander verknüpft wurden, was anfangs überhaupt nicht ersichtlich war und mir große Rätsel aufgab. Am besten hat mir natürlich - wie eigentlich bei allen Romanen auf mehreren Zeitebenen - die Geschichte von Olives Großmutter Poppy gefallen, auch wenn diese diesmal nicht in eigenen rückblickenden Kapiteln, sondern über die Nachforschungen von Olive erzählt wurden. Aus der Vergangenheit selbst gibt es aber Gedichte, die Poppy damals geschrieben hat und die immer wieder eingestreut werden. Fazit: Obwohl ich mit den Hauptpersonen nicht so ganz warm wurde, hat mir das Buch am Ende doch ziemlich gut gefallen.
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misspider

4 Sterne
25.03.2025
Der Weg aus der Einsamkeit - emotionale Reise von drei Frauen
Worum es geht: Die Geschichten wird aus drei Perspektiven und drei Zeitebenen erzählt. Mathilde möchte im Jahr 1950 ihrem Leben ein Ende setzen indem sie ins Meer geht und nicht zurück kommt.. In letzter Sekunde wird sie gerettet. Claire lebt im Jahr 2000 in New York als erfolgreiche Anwältin. Sie hält nicht viel von Liebesbeziehungen, doch als sie sich in einen Kollegen verliebt, scheint sich das Blatt zu wenden. Zeitgleich erreicht sie die Nachricht vom Tod ihrer Zwillingsschwester Iris. Die beiden haben sich mehr als zehn Jahre nicht gesehen, Iris lebte zuletzt allein auf einer einsamen Insel. Kurzerhand beschließt Claire, auf diese Insel zu reisen und mehr über ihre Schwester zu erfahren. Olive möchte im Jahr 2022 mehr Projekte als Journalistin übernehmen, ihre Chefin traut ihr dies jedoch nicht zu. Von ihrer noch lebenden Großmutter besitzt sie einen scheinbar wertlosen Kompass. Als in Hamburg in der Hand einer Leiche genau der gleiche Kompass auftaucht und in den Medien erscheint, reist Olive kurzerhand mit ihrem Kollegen Tom nach Hamburg um das Geheimnis des Kompasses zu lüften und auch eine gute Geschichte für die Arbeit zu bekommen. Meine Meinung: Ich hatte von Louise Pelt bereits "Die Halbwertszeit von Glück" gelesen und war restlos begeistert, sodass ich mich auch sehr auf ihren neuen Roman gefreut habe. Wie auch im ersten Roman gibt es drei Frauen in drei Zeitebenen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die doch etwas verbindet. Von diesem Aufbau war ich bereits Fan im ersten Roman. Bereits das erste Kapitel baut eine ordentliche Spannung auf und wirkt nach: Mathilde möchte sich das Leben nehmen, ihre Verzweiflung, Angst und Zerrissenheit wird so wunderbar beschrieben, wie es nur Louise Pelt schafft. Die Ohnmacht verdichtet sich immer mehr - bis sie gerettet werden kann und das Kapitel endet. Danach lesen wir abwechselnd aus Claires und Olives Sicht, außerdem gibt es dazwischen immer wieder Gedichte, die um 1945 bis 1950 von einem unbekannten Verfasser geschrieben wurden. Claire ist ein kontrollierter Mensch, sie hat gerne stets alles im Griff und lässt Gefühle kaum zu. Sie bewohnt ein luxuriöses Apartment mit bester Sicht, ist aber tief im Herzen unglücklich und einsam. Die Nachricht vom Tod der Zwillingsschwester erreicht sie völlig unvorbereitet. Nach und nach wird aufgedeckt, was zum Bruch der beiden geführt hat. Mit dem Ankommen auf der Insel fällt die Unruhe und Kontrolle immer mehr von Claire ab. Sie erfährt immer mehr über ihre Schwester und kommt dabei auch sich selbst näher. In dieser Einsamkeit schafft sie es, auf den Grund ihres Herzens zu schauen. Olive hingegen wirkt tollpatschig, unsicher und unstrukturiert. Sie ist besorgt um ihre Großmutter Poppy, die mit über neunzig mehr und mehr körperlich und geistig abbaut. Olive möchte so gerne eine gute Journalistin werden, aber ihr fehlt die zündende Idee. Sie ist zwar behütet aufgewachsen, aber fühlt sich schon lange tief im Herzen einsam und nicht zugehörig. Auch sie lernt auf der Reise, die sie mit dem unliebsamen Tom antreten muss, mehr über sich, ihre Familie und ihre Wünsche. Vor allem die Gedichte zwischen den Kapiteln zeugen von großer sprachlicher Brillanz und drücken eine große Sehnsucht und Einsamkeit aus. Generell schreibt Louise Pelt auch hier wieder großartig, sie findet für jede Geschichte und Frau eine eigene Sprache und beschreibt das Gefühlsleben intensiv. Gerade die abwechselnden Kapitel bringen eine gute Spannung mit und man liest gespannt weiter, wie die drei Geschichten zusammenhängen. Diese Verknüpfung mit dem Kompass als allumspannendes Symbol ist sehr gut umgesetzt. Einziger Kritikpunkt sind für mich die Längen, die die Geschichte in der Hälfte des Buchs hatte und den Lesefluss etwas gestört haben. Das ist jedoch Kritik auf sehr hohem Niveau und büßt nichts von der wunderbaren Geschichte ein, die Louise Pelt hier geschaffen hat. Mein Fazit: "Die Anatomie der Einsamkeit" ist ein wunderbarer und gefühlvoller Roman, der sich zwar primär um das Thema Einsamkeit dreht und diese sehr gut in die Geschichte einbindet, aber noch so viele Themen mehr behandelt: Sehnsucht, Mut, Hoffnung und Ankommen sind genau so wichtig zu erwähnen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!
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SophiaDango

Louise Pelt

Autorin

Louise Pelt wurde 1982 in Hamburg geboren. Mit dem Kinderopernchor bereiste sie früh die Welt, studierte anschließend Anglistik und Germanistik und schrieb einige Jahre für Film und Theater. Die Halbwertszeit von Glück schrieb sie als Roman, obwohl vieles und viele dagegensprachen. Vielleicht ist Mut ihre größte Superkraft — auf jeden Fall aber hat er ihre schönste Geschichte hervorgebracht. Sie lebt mit ihrer Familie zwischen Alster und Elbe.

Portrait: Louise Pelt

© Ines Marquet