Immergrün

Roman

3.66667 Sterne

(27 Bewertungen insgesamt)

Mit den Urnen ihrer Mutter und Großmutter im Kofferraum reist Ruth nach Litauen, um sie in der lang verlorenen Heimat der Familie beizusetzen. Auf der endlosen Fahrt erinnert sie sich an ihre Kindheit nach der Emigration in den siebziger Jahren: Erst in Israel und später in West-Berlin beginnt ein neues Leben, geprägt von Sprachschwierigkeiten, Überlebenskunst und den Hürden der Bürokratie. Die Mutter, einst gefeierte Sängerin, ringt mit Depressionen; Ruth wünscht sich Normalität - und findet Halt in Musik und Sport. IMMERGRÜN ist ein Roman über Exil, Neubeginn und die leise Kraft der Kunst im Schatten großer Umbrüche.

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Produktinformationen

Verlag

Pfaueninsel

Format

Buch (Hardcover)

Genre

Literarische Unterhaltung

Seitenanzahl

256 Seiten

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-69131-007-8

27 Meinungen zu diesem Titel

Rezensionen aus der Community

4 Sterne
01.03.2026
Ein gelungener erster Roman dieser Autorin
Die Mutter der Ich-Erzählerin Ruth war die jüngere Schwester eines talentierten Jungen. Sie litt sehr darunter, dass ihr Bruder bei der Mutter stets an erster Stelle stand. Ihr Vater wollte einer verfolgten jüdischen Familie helfen und landete im KZ. Als er zurück kam, war er ein gebrochener Mann. Er erhängte sich auf der Toilette eines Krankenhauses. Vorher erwartete er von seiner Tochter, dass sie ihn vor seinen Verfolgern beschützt. Die gab es allerdings nur in seiner Fantasie. Nach dem Tod der Mutter fährt die Tochter mit zwei Urnen in die Heimat von Mutter und Großmutter. Das hat sie ihnen versprochen. Sie sollen im Grab ihres toten Sohnes und Bruders beigesetzt werden. Auf dem Weg nach Litauen denkt Ruth an die Zeit ihrer Kindheit zurück. Für sie galt es, etliche Hürden zu überwinden. Wie gut ihr das gelang, zeigt ihre Laufbahn bis zum heutigen Tag. Die Erzählung wechselt von den Ereignissen während der Fahrt nach Litauen und den Erinnerungen an die Kindheit der Autorin. Die Zeitsprünge sind nicht immer klar und dadurch wird das Lesen zuweilen anstrengend. Was mich aber beeindruckte, das war die Stärke des Kindes. Wie sie ihrer Mutter half und sich stets gegen das Auseinanderbrechen der Familie wehrte. Ein lesenswerter Roman, der sehr gut die Spätfolgen von Traumata darstellt.
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lielo99

4 Sterne
08.03.2026
Die Last der Verantwortung
Immergrün ein Roman von Ruth Olshan (Bastei Lübbe AG Pfaueninsel Verlagsgesellschaft) Diese Feierlichkeit verflog mit jedem Kilometer meiner Fahrt, weil ich mich erinnerte, weil ich mich in Gedanken verstrickte und weil ich wütend darüber war. Dass die Welt so tat, als sei nichts gewesen, als sei meine Mutter nicht gestorben, als hätte ich mit ihrem Tod meine Vergangenheit nicht verloren. Die Autobahn war schuld. Sie führte mich in diese meine tobende Innenwelt. S.37 Ruth Olshan erzählt von einer Odyssee, die die Protagonisten, als Baby, von Moskau über Israel und in späteren Jahren nach Deutschland führt. Mit den Urnen ihrer Mutter und Großmutter kommt sie endlich in der Litauen an und der Kreis schließt sich in dieser, ihrer verloren Heimat. Drei Generationen im Überlebenskampf zwischen Sprachbarrieren, Bürokratie, Religion und Kultur. Die Autorin erzählt vorrangig von ihrer kleinen Familie, ihrer Mutter, ihrem Vater und sich selbst. Sie beschreibt in einem gut geschrieben Text von den Schwierigkeiten, Streitereien der Eltern und der wachsenden Problembewältigung eines Teenagers sowie in späteren Jahren, die einer jungen Frau. Diese geht ihren Weg, trotz der Bürde vergangener und präsenter Generationen, einem Zwiespalt des Glaubens und einem allem Gerecht werden Wollen und Müssen. Sie muss zeitig Verantwortung übernehmen aus der Not heraus und aus Schwäche sowie Desinteresse ihrer Lieben. Dennoch fühlt sich allein. Oder gerade deswegen, als die Frauen aus ihrem Leben scheiden. Die verschiedenen Figuren platzieren sich in der Geschichte unterschiedlichster Staaten, arrangieren sich und passen sich an; manche schaffen es besser, andere schlechter. Das ist wohl auch Charaktersache und tragend in der Erzählung. Fazit: Ich habe ein sehr bewegendes Buch gelesen. Es animiert den Leser zu einem anderen Blickwinkel, heraus aus der Komfortzone und hinein in ein anderes, fremdes Leben. Trotz der zahlreichen Wiederholungen und den intensiven Beschreibungen mancher Szenen habe ich diesen Roman sehr gern gelesen und kann ihn uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Autorin offenbart ihr Inneres und das sollte man würdigen und ernst nehmen.
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Mamaofhannah07

3 Sterne
02.03.2026
Immergrün - Ruth Olshan
Eine Familiengeschichte gespannt über Litauen - Israel - Deutschland. Eine Suche nach Neuanfang, Identität und Familienglück.Ruth ist mit dem Auto auf der langen Reise von Berlin nach Kaunas / Litauen. Im Gepäck hat sie die Urnen ihrer Mutter und Großmutter. Beide möchten in ihrer litauischen Heimat beerdigt werden. Doch die Reise zurück zu ihren Familienwurzeln löst in Ruth eine Erinnerungsreise aus. Wie ihre Eltern erst von Litauen nach Israel geflohen sind und dann nach Deutschland. Wie kommt eine entwurzelte Familie in einer neuen Heimat klar, wenn sie die Sprache nicht sprechen und die Jobsuche unfassbar schwierig ist? Ruth reflektiert ihre sehr bewegende Kindheit und Jugend.Das Buch ist kein klassischer Roman über eine Familie. Es ist eine Aneinanderreihung von Erinnerungen, welche den Weg auf der Suche nach Freiheit und Sicherheit als Familie sowie als Einzelperson beschreibt. Dabei folgen wir einer autobiographisch angehauchten Handlung, welche Ruth Olshan, der Name der Hauptprotagonistin und der Autorin, über zwei Zeitebenen erzählt. Vergangene und gegenwärtige Erlebnisse drehen sich um Ruths Rolle als Tochter, Emigrantin, Neuankömmling, Familienzusammenhalterin und emotional-seelische Überlebenskämpferin. Was Ruth durchmachen musste in ihrer Kindheit, beeinflusst jede Persönlichkeit nachhaltig und abhärtend.Viele dieser Erlebnisse sind wirklich emotional nachhallend, kamen aber durch den Schreibstil aber als sehr distanziert erlebt herüber. Dadurch hatte ich auch Schwierigkeiten in die Geschichte hineinzukommen sowie eine Verbindung zu den Protagonisten aufzubauen. Denn obwohl es einen sehr begrenzten Charakterkreis gibt, blieben für mich die die Protagonisten in ihrer Darstellung und Persönlichkeit sehr blass. Vom Buchanfang bis zum Schluss gab es ein klar definiertes Handlungsziel, die Beerdigung von Mutter und Großmutter in  Litauen, welches auch fest verfolgt wurde. Mir hat auf den Weg dorthin nur ein wenig die charakterliche Entwicklung der Protagonisten gefehlt. Es hat auch mich den Eindruck gemacht, dass sie sich alle ein bisschen zu sehr alsOpfer ihrer Lebensumstände betrachten, ohne aktiv etwas dagegen zu tun. Abschließend kann ich nur sagen, dass ich die hintergründige Thematik rund um Familie und Emigration wirklich interessant fand. Nur konnte mich die Umsetzung nicht ganz überzeugen. Mondprinzessin 
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Mondprinzessin

4 Sterne
01.03.2026
Aus der Suche nach einem Neuanfang
Inhalt: Ruth ist auf dem Weg nach Litauen, um dort die Urnen ihrer Mutter und Großmutter im Familiengrab beizusetzen. Währende der langen Fahrt erinnert sie sich an ihre Kindheit in der 70er Jahren. Sie war mit ihren Eltern aus Litauen, das damals noch zu Sowjetunion gehörte, zunächst nach Israel und dann nach West-Berlin geflohen. In ihren Erinnerungen erzählt sie uns von ihren Anfängen in Deutschland, die Sprachprobleme und die kulturellen Unterschiede. Besonders ihren Eltern bereitet das neue Leben einige Probleme, beruflich Fuß zu fassen und den Kampf mit den Behörden durchzustehen. Meine Meinung: Dieses Buch beschreibt die Probleme von Ruths Familie sich in West Berlin einzuleben und ihren Platz im neuen Leben zu finden. Sehr eindringlich wird hierbei beschrieben, wie schwer die Eingewöhnung besonders für die Erwachsenen ist. Aus der Sicht eines Kindes, erlebt der Leser diesen Prozess aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Der Schreibstil ist sehr sachlich und distanziert, was den Lesefluss etwas behindert und es schwer macht, Ruths Gefühlslage wirklich zu verstehen. Hier hätte ich mir gewünscht, mehr über Ruths Befinden zu den Ereignissen zu erfahren. Auf der anderen Seite zeigt der Schreibstil vielleicht auch die einzige Art, wie Ruth im Rückblick mit den Ereignissen umgehen kann. Auch wenn ich mir im Schreibstil etwas mehr Nähe gewünscht hätte, kann mal Leser die Probleme der Familie sehr gut nachvollziehen und so verstehen was dieser Abschied aus der alten Heimat für alle Beteiligte bedeutet. Das Buch ist durchaus lesenswert, aber man muss sich auf die Handlung einlassen und sich eigene Gedanken über die Gefühle der Charaktere machen. 
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Smberge

Ruth Olshan

Autorin

Ruth Olshan ist ukrainisch-litauischer Herkunft. In Moskau geboren, wuchs sie in Israel und in Berlin auf, wo sie heute noch lebt. Sie studierte Regie und Filmproduktion in Leeds (UK) und Köln, arbeitet als Regisseurin und Autorin und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den Richard-Attenborough-Preis, den Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preis, den Deutschen Fernsehpreis und die Goldene Kamera für den besten Film. Seit 2018 arbeitet sie als Professorin für Regie an der ifs Köln und lehrt an weiteren Hochschulen im In- und Ausland. Immergün ist ihr Romandebüt.

Portrait: Ruth Olshan

© Urban Zintel