Madwoman

Übersetzt von

Jasmin Humburg

Feministischer Pageturner | »Schwarzhumorig, herzzerreißend und absolut unvergesslich. Ein Meisterwerk.« Rachel Yoder, NIGHTBITCH

4.37931 Sterne

(29 Bewertungen insgesamt)

Clove lebt das perfekte Vorstadtleben. Ihre Welt kreist um Yogastunden, achtsame Erziehungsmantras und einen inspirierenden Instagram-Feed. Doch hinter der makellosen Fassade verbirgt sich ein sorgsam konstruiertes Lügengeflecht. Niemand ahnt, wie unsicher Clove den Alltag als junge Mutter navigiert oder dass ihr Aufwachsen von Gewalt geprägt war. Nicht einmal ihr netter Ehemann weiß Bescheid. Als Clove unerwartet Post aus einem Frauengefängnis erhält, droht ihre Vergangenheit, sie einzuholen. Mit den Briefen drängen dunkle Erinnerungen ans Licht, und Clove ringt mit ihrer Identität. Wie stark hat das Trauma ihrer Kindheit sie geprägt? Kann jemand wie sie eine gute Mutter sein?

18,00 €

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Produktinformationen

Verlag

pola

Format

Buch (Paperback)

Genre

Literarische Unterhaltung

Seitenanzahl

400 Seiten

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7596-0032-5

29 Meinungen zu diesem Titel

Rezensionen aus der Lesejury

4 Sterne
25.08.2025
Wenn Mutterschaft und Trauma kollidieren
Ein Roman, der so realitätsnah, eindringlich und laut ist, dass man die Wut in jeder Zeile spürt. Eine Wut, die verlangt, dass man ihr in die Augen blickt und Platz macht für die Wahrheit, die sich tagtäglich um uns herum abspielt. „Mad Woman“ von Chelsea Bieker, erschienen im Pola-Verlag, lässt kaum Raum zum Durchatmen. So muss sich auch Clove während ihrer gesamten Kindheit gefühlt haben, aufwachsend mit ihrer Mutter und dem gewalttätigen Vater unter einem Dach. Die beiden Frauen leben in ständiger Angst vor diesem Mann, der die Familie kontrolliert, einschüchtert und seinen ganzen Hass an seiner Ehefrau auslässt. Die Ereignisse überschlagen sich und irgendwann bleibt Clove nur noch ein Ausweg: die Flucht. Sie baut sich ein neues Leben auf, versucht, dem Trauma und dem Schmerz zu entkommen, doch eines Tages holt sie die Vergangenheit in Form eines Briefes wieder ein. Die schrecklichen Passagen sind stellenweise kaum auszuhalten, so intensiv und kraftvoll sind sie geschrieben. Seite für Seite hofft man, dass Clove und ihre Mutter sich aus dieser Realität befreien können. Der Roman gewährt schonungslos ehrliche Einblicke in eine Welt, die sich (leider) so oder so ähnlich in vielen Wohnzimmern abspielen könnte. Die wechselnden Zeitebenen zwischen Vergangenheit und Gegenwart machen die Geschichte dynamisch und verdeutlichen, wie furchtbar belastend Cloves Flashbacks sein müssen. Für mich hat dieses Buch auf allen Ebenen großes Lob verdient. Chelsea Biekers Sprachstil ist schonungslos, mutig und zutiefst mitreißend. Sie fängt den tiefsitzenden Schmerz von Trauma und seine vielen Gesichter ein und transportiert ihn unmittelbar zu den Leser:innen. Besonders eindrucksvoll beschreibt sie die Realität einer Mutter, die mit aller Kraft das Beste für sich und ihre Kinder will und dabei einen schweren, Kampf mit ihrer Vergangenheit austrägt. Die Figur Jane war mir persönlich an manchen Stellen etwas zu überspitzt dargestellt und in ihren Handlungen nicht immer ganz nachvollziehbar. Auch das Ende kam mir ein wenig zu abrupt. Hier hätte ich mir ein langsameres Tempo und mehr Raum zur Entfaltung gewünscht. Insgesamt aber ist „Mad Woman“ ein herausragender Roman, der tief unter die Haut geht. Ein Buch, das großes Lob verdient und in keinem Bücherregal fehlen sollte.
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NinaaVeronika

4 Sterne
06.09.2025
Eindringlicher Roman der noch nach dem Lesen nachhallt
„Madwoman" ist ein eindringlicher Roman, der in seiner Intensität lange nachhallt. Mit scharfer Sprache und kompromisslosem Blick erzählt Chelsea Bieker von weiblicher Wut, Unterdrückung und der Suche nach Selbstbestimmung. Die Protagonistin bewegt sich durch eine Welt voller patriarchaler Strukturen, Gewalt und spiritueller Verblendungen – ein Setting, das an Die Figuren sind kantig, fehlerhaft, manchmal schwer zu ertragen – und genau dadurch glaubwürdig. Besonders beeindruckend ist Biekers Stil: poetisch, roh und voller Kontraste. Sie schafft es, Gewalt und Verletzlichkeit nebeneinanderstehen zu lassen, ohne ins Sentimentale zu kippen. "Madwoman" liest sich wie ein Schrei – wild, ungezähmt, aber zugleich präzise komponiert. Es ist kein leichter Roman. Die Themen sind hart, teilweise verstörend, und die Atmosphäre kann bedrückend wirken. Doch gerade darin liegt die Stärke des Buches: Es zwingt dazu, sich mit weiblicher Erfahrung und der Macht von Sprache auseinanderzusetzen. Zusammengefasst ist „Madwoman" ein kompromissloses, literarisch starkes Werk was mit wirklich unter die Haut gegangen ist – nichts für Zwischendurch, sondern ein Buch, das fordert und bewegt, deshalb teilweise sehr schwer zu lesen ist. Wer Geschichten über weibliche Selbstermächtigung, Zorn und Überleben sucht, sollte sich Chelsea Biekers Werk nicht entgehen lassen.
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mondlichtgedanken

3 Sterne
04.01.2026
Eine komplexe Story
Wie sehr einen die Vergangenheit beeinflussen kann, kann man gut an dem Buch Madwoman von Chelsea Bieker erkennen. Wir begleiten die junge Mutter Glove, deren Leben augenscheinlich perfekt ist. Jedoch kommt ihre von Missbrauch geprägte Kindheit zum Vorschein, so dass ein Brief ihrer Mutter, die im Gefängnis sitzt, eine Reihe von Backflashs und Ängsten auslöst. Sie stellt sich selbst in der Mutterrolle häufig in Frage. Als Leser*in fragt man sich ständig, was passiert ist, ob Glove eine verlässliche Erzählinstanz ist oder nicht. Manchmal ist der Funke bei mir nicht ganz übergesprungen.
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ColleenF

5 Sterne
09.10.2025
Schatten der Vergangenheit: Zwischen Trauma und Perfektionismus
"Madwoman" von Chelsea Bieker ist ein unfassbar intensiver Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Was für ein starkes Romandebüt - wieder mal ein absolutes Highlight aus dem großartigen pola-Verlag. "Manchmal ist es in Ordnung, die eigenen Geschichten zu glauben. Wenn wir Glück haben, helfen uns diese Geschichten dabei, weiterzuleben." Clove lebt ein scheinbar vollkommenes Leben mit ihrem Ehemann und den zwei Kindern. Gesunde Ernährung, Yoga und immer für ihre Kinder da zu sein, das ist das Allerwichtigste für sie. Doch hinter der perfekten Fassade steckt ein sorgsam erstelltes Konstrukt aus Lügen. Weder ihr Mann noch ihr Umfeld ahnen, in welchem Umfeld aus Gewalt Clove ausgewachsen ist. Noch nicht einmal ihr Name ist echt, ihre Identität gestohlen. Als Clove plötzlich Post aus einem kalifornischen Frauengefängnis bekommt, droht iihre Vergangenheit sie einzuholen. Clove ringt mit ihrer Identität und ihrer Vergangenheit. Als sie zufällig die faszinierende Jane kennenlernt, holt sie das Träuma ihrer Kindheit immer stärker ein. "Durch Gewalt werden wir Frauen so kleingemacht, dass wir dankbar für Dinge sind, für die wir gar nicht dankbar sein müssten. Und selbst wenn wir denken, sie hinter uns gelassen zu haben, blicken wir zurück und erkennen, dass sie sich doch auf jede Entscheidung auswirkt, die wir je getroffen haben. Viele Jahre dachte ich, dass ich den Klauen der Gewalt trotz allem, was ich gesehen und überlebt hatte, entwischt war. Dass es im Leben auf kluge Entscheidungen ankam. Wenn ich zum Beispiel Mutterschaft anders angehen würde als du, wenn ich für ein friedliches Familienleben sorgen würde, dann könnte ich die Vergangenheit hinter mir lassen. Nein. Nicht bloß hinter mir lassen. Ich könnte sie auslöschen." Chelsea Biekers Schreibstil ist unfassbar intensiv. Schon der erste Satz "Die Welt ist nicht für Mütter gemacht. Und doch haben Mütter die Welt gemacht. Die Welt ist nicht für Kinder gemacht. Und doch sind Kinder die Zukunft." hatte mich sofort gepackt. Die Rückblenden in Cloves Kindheit sind heftig und schmerzhaft zu lesen: Die alltägliche Gewalt, physisch wie psychisch, die Alkoholsucht ihrer Mutter, die vergeblichen Fluchtversuche vor dem prügelnden Vater. "Ich lag da, und die Leute liefen um mich herum, als wäre ich ein Strandstuhl. Niemand nahm mich wahr. In der Öffentlichkeit halte ich heute noch Ausschau nach der geschlagenen Frau, wo auch immer ich bin. Im Normalfall gibt es eine. Niemand sieht sie, aber ich tue es." Cloves jetziges Verhalten, ihre Ängste und ihr kontrollierendes Verhalten ihren Kindern gebenüber, waren sehr authentisch dargestellt. Ein wirklich kraftvoller, intensiver Roman über Gewalterfahrungen, Traumabewältigung und Mutterschaft von einer Autorin, die einzigartig schreiben kann. Eine ganz klare Leseempfehlung von mir!
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downey_jr

Chelsea Bieker

Autorin

Chelsea Bieker ist Journalistin und prämierte Autorin, sie erhielt u.a. den Rona Jaffe Writers' Award. Ihr Roman Madwoman stand auf der US-Bestsellerliste und war Buch des Monats bei der New York Times. Ihre Artikel erschienen in People, Marie Claire UK, Wall Street Journal, The Paris Review, Granta, The Cut, No Tokens. Sie wuchs auf Hawaii und in Kalifornien auf, heute lebt sie mit ihrer Familie in Portland.

Portrait: Chelsea Bieker

© Wondra