1961 reist die 18-jährige Ulrike zu einem Sprachkurs ins sommerliche Cannes - und kehrt schwanger zurück. Auf Drängen ihrer Eltern geht sie eine Scheinehe ein, die bald zerbricht. Für einen Neuanfang folgt sie dem sephardischen Geschäftsmann Adem nach Istanbul. Während die Kinder Barbara und Danyal dort Wurzeln schlagen, verliert Ulrike zunehmend den Halt und sucht Trost im Alkohol. Vierzig Jahre später erinnert sich Barbaras Tochter Charly an ein Leben zwischen Mutter und Großmutter, die bis zuletzt nicht mehr miteinander gesprochen haben. Auf der Suche nach dem verschwundenen Onkel Danyal beginnt sie zu begreifen, wie sehr die Konflikte der vorherigen Generationen in ihr fortwirken.
Ein eindrucksvolles Debüt über Mütter und Töchter - und die Frage, welche inneren Konflikte tatsächlich die eigenen sind und wessen Gefühle wir eigentlich in uns tragen.
Jennifer Segebrecht erzählt mit großer Sensibilität von drei Frauen, die aneinander leiden und wachsen.
»Geradezu zauberhaft erzählt dieses Buch von den kleinen Grausamkeiten, die Mütter und Töchter einander antun können: im heutigen Köln, am Bonner Rheinufer, am Bosporus, in der Voreifel. Jennifer Segebrecht zeigt uns die Doppelmoral einer zum Glück verschwundenen Bundesrepublik und ein Istanbul, das es nicht mehr gibt. Und hat wie nebenbei einen großartigen neuen Heimatroman geschrieben.«
David Wagner
22,00 €
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Verlag
Format
Buch (Hardcover)
Genre
Gegenwartsliteratur
Seitenanzahl
272 Seiten
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-69131-024-5

Muttertage
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Jennifer Segebrecht, geboren 1991, lebt in Köln. Nach ihrem Studium und Aufenthalten in London und San Francisco arbeitet sie als Wirtschaftspsychologin und Autorin. Sie war Stipendiatin des »1:1« Mentoringprogramms für NRW-Schriftsteller*innen mit David Wagner und gewann den Publikumspreis beim Kölner Förderpreis für junge Literatur. Ihre Kurzgeschichte »Etiketten« erschien in Das Gramm. MUTTERTAGE ist ihr Romandebüt.

© Reto Klar
Drei Generationen von Frauen, verbunden durch ein vielschichtiges, teils widersprüchliches Netz aus Nähe, Distanz, Erwartungen und unausgesprochenen Konflikten: Was geschieht, wenn die Enkelin eine bessere Beziehung zu ihrer Großmutter hat als die eigene Mutter zu ihrer Mutter?
Eine Großmutter-Enkelin-Beziehung ist oft viel unbelasteter als eine Mutter-Tochter-Beziehung. Zwischen Mutter und Tochter werden Themen der Erziehung verhandelt, es geht um Verantwortung, Bedürfnisse und Erwartungen, es gibt Abhängigkeiten, Machtkämpfe und Ablösungsprozesse. Die anderen beiden Rollen bringen eine begrenztere Nähe mit sich, und somit auch ein begrenzteres Konfliktpotenzial. Eine Enkelin begegnet der Großmutter außerhalb eigener und früherer Konfliktgeschichten dieser Art - und unter Umständen einer ganz anderen Frau. Denn ein und derselbe Mensch kann je nach Rolle und Kontext als verletzend und als liebevoll empfunden werden. Diese unterschiedlichen Wahrheiten von Enkelin und Tochter können natürlich zu Spannungen führen, etwa zu Eifersucht auf der einen und Schuldgefühlen auf der anderen Seite. Durch die emotionale Loyalität eines Kindes können solche Widersprüche schnell belastend werden, sie können innerlich zerreißen und einer freien Entwicklung im Weg stehen. Genau damit muss sich Charly, die Enkelin in meinem Roman, auseinandersetzen.