Paradise Beach

Roman

3.95238 Sterne

(21 Bewertungen insgesamt)

Ada schläft kaum noch, seit sie nach ihrer Endometriose-OP Medikamente nimmt. Sie lauscht den Geräuschen ihres Wohnhauses und erinnert sich zurück: an den Sommer ihrer Jugend, den sie zusammen mit ihrer Cousine Lill in ihrer Heimat an der Ostseeküste verbringt. Die Tage sind bestimmt vom Perfektionieren des eigenen Körpers und der Begegnung mit Elja, die Adas Welt ins Wanken bringt. Doch mitten in diesem Jahrhundertsommer 2003 beginnt ein Schmerz, und mit ihm das Schweigen, das Ada zunehmend von ihrer Außenwelt trennt.

Ein berührender Coming-of-Age-Roman über die Erinnerung an einen flirrenden Sommer, der bis in die Gegenwart wirkt.

»PARADISE BEACH ist voller Körper. Dara Brexendorf zeigt sie aufrichtig in ihren kleinen wie großen Versehrtheiten. Mit eigener Sprache entgegnet sie der systemischen Sprachlosigkeit für weiblichen Schmerz und so wird der Text nicht nur zu einem literarischen Geschenk.« Paulina Czienskowski

22,00 €

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Produktinformationen

Verlag

Eichborn

Format

Buch (Hardcover)

Genre

Gegenwartsliteratur

Seitenanzahl

256 Seiten

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8479-0237-9

21 Meinungen zu diesem Titel

Rezensionen aus der Community

5 Sterne
22.04.2026
Leicht zugängliche Leidensgeschichte
Ada kann nicht schlafen, wie so oft. Um 03:14 hört sie ein Klirren über ihrer Etage, gefolgt von einem Schrei. Um 03:17 ruft sie die Polizei. Die Polizistin wirkt freundlich, fragt sie nach dem Grund ihres Anrufs. Sie muss alles dokumentieren und hält Adas Worte auf einem Notizzettel fest. Dann geht sie. Ada schaut aus dem Fenster und sieht die Polizisten mit dem Typen sprechen, der über ihr wohnt. Er steht vor dem Krankenwagen und gestikuliert aufgeregt. Sein linker Arm ist bandagiert. Er trägt schwarze Skinny-Jeans und braune Mokassins. Auf seinem weißen Shirt ist Blut. Ada denkt an Oma Ylvi. Kurz bevor Ylvi stürzt, feiert Ada ihren elften Geburtstag. Ylvi bricht sich den Oberschenkelhals und verliert ein paar Zähne. Adas Mama Mo will Ylvi bei ihnen aufnehmen, aber das will Adas Vater nicht. Also ziehen Mo und Ada zu Ylvi, als sie aus dem Krankenhaus zurückkommt. Vormittags kommt der Pflegedienst, wäscht Ylvi und geht ihr zur Hand. Am Nachmittag kocht Mo und verhindert Stürze. Dazwischen sitzt Ada bei Ylvi und schneidet Grimassen mit ihr. Ihre Cousine Lill wohnt gleich nebenan. Sie ist ein Jahr älter als Ada und viel cooler. Während Ada noch mit Ylvis Baumwollnachthemden durchs Haus tobt, trägt Lill schon enge Jeans und bauchfreie Tops. Zwei Jahre später lernt Ada Elja kennen, die mit ihrer Familie Ferien macht. Es ist die Zeit, in der Ada zum ersten Mal eine Verschiebung in ihrem Körper spürt und danach ist nichts mehr wie vorher. Fazit: Dara Brexendorf, freie Autorin und Literaturvermittlerin, hat in ihrem Debüt das Thema Endometriose verhandelt. Ihre Protagonistin ist Anfang dreißig als eine fähige Gynäkologin Endometriose diagnostiziert. Ada wird operiert und frühzeitig in die Menopause katapultiert. Während ihrer Krankschreibung rekonstruiert sie die Anfänge ihrer Krankheit, wie sie ihr die Leichtigkeit der Jugend nahm und wie sie ihre erste große Liebe verpasste. Sie ist dreizehn, als ihr Zyklus aktiv wird. Vier Wochen später blutet sie sehr stark und hat heftige Krämpfe. Sie glaubt damit klarkommen zu müssen, weil doch alle Frauen irgendwie damit klarkommen. Man spricht schlicht nicht über Monatsblutungen. Die Geschichte zeigt deutlich den spürbaren Leidensdruck. Auch wenn Ada ein feines Gespür für andere entwickelt, kreist sie gedanklich um sich selbst. Die Krankheit hindert sie daran, sich tiefer auf Menschen einzulassen. Dara Brexendorf ist eine überaus gute Erzählerin. Alles ist unaufgeregt und ruhig. Melancholie prägt die Grundstimmung. Sie erzählt konsequent im Präsens auch die Rückblicke, das ist am Anfang etwas verwirrend, stört dann aber nicht weiter. Die Figuren sind fein ausgearbeitet, so dass ich das Gefühl hatte, dabei zu sein. Die Autorin hat ein Tabuthema entstigmatisiert, ein Frauenleiden an die Oberfläche geholt und das scheint mir wichtig. Eine leicht zugängliche Leidensgeschichte ohne großen Druck, verständlich gemacht.
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MarieOn

3 Sterne
12.04.2026
Hat meinen Erwartungen nicht entsprochen.
Ada, die Hauptfigur dieser Geschichte, leidet unter Endometriose. Eine Krankheit, die mir bis dato nicht bekannt war. Ich fand die Buchbeschreibung gut und wollte daher mehr erfahren. Die Thematik fand ich interessant  die Autorin hat das auch ganz gut in der Geschichte verpackt. So bekam man zwar einen informativen Einblick, aber so richtig warm geworden bin ich mit dieser Geschichte nicht. Ada ist mir fremd geblieben. Sie ist eine Einzelgängering und lebt sehr isoliert. Was zum Teil auch an ihrer Krankheit lag. Ich konnte jedoch keine Verbindung zu ihr aufbauenund blieb eher ein unbeteiligter Beobachter. Es gab verschiedene Schauplätze, wie dern Nachbarn über ihr,  die Rückblenden in die Kindheit und die Gegenwart. Aber es blieb alles etwas blass und sprunghaft. Ich habe mich da etwas schwer getan einen roten Faden zu finden. Meine Erwartungen konnte die Geschichte nicht erfüllen. Ich bin mir aber sicher, dass sie ihre Leser finden wird.
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hilde

3 Sterne
10.04.2026
Zwischen den Zeilen
„Paradise Beach“ von Dara Brexendorf besticht vor allem durch seine sprachliche Schönheit. Die Autorin schreibt mit einer Eleganz und Bildhaftigkeit, die es leicht macht, sich in die Atmosphäre des Romans fallen zu lassen. Landschaften, Stimmungen und Emotionen werden so lebendig beschrieben, dass sich das Buch in einem durchliest. Gerade diese sprachliche Qualität ist die große Stärke des Buches. Viele Passagen lesen sich fast poetisch und laden dazu ein, innezuhalten und einzelne Formulierungen bewusst zu genießen. Leider kann die Handlung mit dieser sprachlichen Brillanz nicht ganz mithalten. Die Geschichte lässt Fragen offen und führt auf Spuren, die unbeantwortet bleiben.Vor allem das Thema Endometriose bleibt zwar sprachlich und emotional präsent, wirkt aber letztendlich unausgesprochen, still und einsam. Ich hätte mir hier mehr Konfrontation gewünscht, um nicht die gleichen gesellschaftlichen Strukturen aufrechtzuerhalten wie sie uns im Alltag begegnen. Aber vielleicht ist das auch genau die Stärke. „Paradise Beach“ bleibt ein lesenswerter Roman, vor allem für diejenigen, die großen Wert auf Stil und Atmosphäre legen.
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annsophie11

5 Sterne
07.04.2026
Zwischen Schmerz und Schweigen
Schnell werden wir in eine Situation hineingeworfen, die wirkt wie der Beginn eines geheimnisumwobenen Krimis. Doch so schnell wir als Leser:innen in Adas schlaflose Nacht hineinkatapultiert werden, so schnell tauchen wir auch ein in eine Vergangenheit, die die Protagonistin erst jetzt selbst wieder einholt. Im ersten Drittel des buches entstanden für mich viele Fragen; Fragen nach der Bedeutung des Nachbarn, der Art und Weise, wie Ada lebt, dem Zusammenhang der Erinnerung - später dem Hund, von Elja. Im zweiten Drittel erinnerte mich der Erzählstil von Dara Brexendorf sehr an "Den Geschmack von Apfelkernen" von Katharina Hagena, nur ohne die fortlaufende aktuelle Handlung. Die Erzählung wirkte auf mich lange unstimmig, unzusammenhängend, unklar. Ich habe lange nach dem roten Faden gesucht, nach einer aktuellen Handlung, abseits der Erinnerungsfetzen, die zwar nicht unchronologisch, aber auf eine Art unsystematisch wirkten. Doch all das löste sich für mich im letzten Drittel. Wo plötzlich deutlich wurde, dass genau das Adas Weg nach Ihrer Endometriose-OP war. Ein sich zurecht finden in einer für sie neuen Welt, in der auch ihr die Bedeutung von vielem nicht klar war. Wo die Gegenwart wenig bestimmt war von dem Außen, welches wir mitbekommen (dem Räusperer, dem Hund, dem Alltag, ...), sondern vielmehr von dem Inneren. Dem Erinnern, der Verbindung vom damaligen Schmerz und dem damaligen Schweigen hin zur heutigen Ada - oder Andra? Ich habe nie wirklich eine Verbindung zu Ada als Protagonistin aufgebaut, aber am Ende hatte ich den Eindruck, dass das genau so sein sollte und dass ich es mir auch nicht anders gewünscht hätte. Denn den Schmerz und das Schweigen - das ist vielen von uns Frauen bekannt. 66% von uns kämpfen einmal im Monat mit leichten bis schweren Menstruationsbeschwerden. Einige (oder viele?) von uns reden nicht offen darüber, wie es uns damit geht, wie sich etwas in uns zusammenzieht, wie wir versuchen, sie mit Disziplin oder Schmerzmitteln zu unterdrücken. Es ist (noch!) nicht vollständig sichtbar, obwohl es doch für knapp die Hälfte der Weltbevölkerung Alltag bedeutet. Ich muss Ada nicht symphatisch finden oder mich in ihr sehen oder mich durch die geschriebenen Worte in ihren Schmerz hineinversetzen. Ich verstehe sie auch so. Im Gegenteil, diese Distanziertheit lässt mich eine andere Art Vertrautheit spüren, die sagt: "Ich weiß, was du fühlst. Ich kenne das auch." Deshalb passt für mich die Erzählform, die zumindest in der Rahmenerzählung aufgrund der vielen Leerstellen unzuverlässig oder zumindest entrückt scheint, zum Plot. Ada scheint selbst in dieser Post-OP-Phase entrückt zu sein, mehr in der Vergangenheit und in ihrem inneren Aushandeln denn bewusst im Alltag, was sich jedoch auf den letzten Seiten u.a. durch die Browserchronik auflöst und zu einem stimmigen Abschluss findet, ohne viel zu erklären. Klare Leseempfehlung für alle. Und ja, für alle - auch Männer. Denn Frauen*gesundheit geht uns alle an und in welcher Form können wir besser ins Nachdenken und Reflektieren geraten als durch Literatur (außer vielleicht Kabarett und Satire)?
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Nora_is_reading

Dara Brexendorf

Autorin

Dara Brexendorf, geboren 1991, lebt als freie Autorin und Literaturvermittlerin in ihrer Heimatstadt Kiel. Sie moderiert die Lesebühne im Literaturhaus Schleswig-Holstein, ist Teil des Podcasts LITERARISCH, SOLIDARISCH und des Literaturmagazins DER SCHNIPSEL. Sie studierte Medien- und Literaturwissenschaften in Kiel und Mainz, anschließend Literarisches Schreiben in Hildesheim. 2025 erhielt sie den LILIENCRON-NACHWUCHSPREIS für Lyrik aus Schleswig-Holstein.

Portrait: Dara Brexendorf

© Hanna Lenz