Schon schwankte die Welt

Roman

3.88889 Sterne

(9 Bewertungen insgesamt)

Schwierige Kindheit, lange Jahre als Alleinerziehende: Ohne ihre beste Freundin Helene hätte Viktoria das alles nicht geschafft. Nun, da ihre Tochter erwachsen ist, erfüllt die Biologin sich einen langgehegten Traum und erforscht das Verhalten von Raben. Doch als ein von ihr handaufgezogener Rabe ihr etwas mitteilen zu wollen scheint und zeitgleich ein fast zwanzig Jahre jüngerer Mann in ihr Leben tritt, gerät die Welt abermals ins Schwanken. Viktoria verliebt sich und versucht das Rätsel des Raben zu lösen - und riskiert dabei ausgerechnet das, was sie immer getragen hat: ihre Freundschaft mit Helene.

22,00 €

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Produktinformationen

Verlag

Eichborn

Format

Buch (Hardcover)

Genre

Gegenwartsliteratur

Seitenanzahl

208 Seiten

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-8479-0234-8

Pressestimmen

»Ein Roman wie ein Flügelschlag. Sanft und geheimnisvoll.«
Katharina Köller
»So fein und klug geschrieben, wie ich es selten gelesen habe. Sehr poetisch!« ELKE HEIDENREICH
»Ein ebenso feinfühliger wie eindringlicher Roman« URSULA MÄRZ über WIR SITZEN IM DICKICHT UND WEINEN

9 Meinungen zu diesem Titel

Rezensionen aus der Community

4 Sterne
27.04.2026
Kommunikation und Ungesagtes
Ein Roman über die Liebe, Freundschaften, Eltern-Kind-Beziehungen, aber am meisten geht es um Kommunikation und Missverständnisse. Viktoria, eine Vogelforscherin, ihre Freundin Helene und Viktorias Tochter Lara. Als der jüngere Polly als Love Interest von Viktoria auftaucht, wird es kompliziert und einige ungesagte Verletzungen der drei Frauen brechen auf. Eine weitere Komponente der Kommunikation bringt der Rabe Toni ins Geschehen, als er Viktoria etwas sehr Wichtiges mitzuteilen versucht. Ich habe mich von dem Roman gut unterhalten gefühlt. Die Seiten flogen nur so dahin. Interessant war für mich, das Gedachte hinter dem Gesagten zu lesen. Da ist ganz viel Ungesagtes, das der Leser als inneren Monolog der Figuren miterlebt. Manchmal kam das wie ein kleiner Schock für mich, da die Figur vorher ganz anders charakterisiert wurde. Ganz besonders die männliche Figur Polly denkt ganz anders, als die weiblichen Figuren meinen. Schön fand ich ebenfalls, dass der Roman in Wien spielt und der Leser die Figuren an Orte begleitet, die abseits der Touristenpfade liegen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
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Sternenfisch

4 Sterne
27.04.2026
Vielschichtige Frauenfreundschaften
Nach dem Auszug ihrer Tochter beginnt Viktoria wieder in ihrer alten Forschungsstation mit Raben zu arbeiten. Dort lernt sie den wesentlich jüngeren Polly kennen. Die Verbindung zwischen den beiden stellt sowohl die Beziehung zu ihrer langjährigen Freundin Helene auf die Probe, als auch zu ihrer Tochter Lara. Viktoria hat sich jahrelang aufopferungsvoll um ihre Tochter gekümmert, doch nun sieht sie ihre Pflicht erfüllt und möchte ihr Leben genießen und vielleicht bis zu einem gewissen Grad die Leichtigkeit vergangener Jahre zurückholen. Wenig Verständnis haben dafür sowohl ihre Tochter, die sich überflüssig und abgeschoben fühlt, als auch ihre Freundin Helene, die fest im Leben steht und die Beziehung zum wesentlich jüngeren Polly nicht verstehen kann. Für sie sind Männer Mittel zum Zweck, aber nicht der Lebensmittelpunkt. Die Beziehungen zwischen den Frauen sind vielschichtig und zeigen ihre ganz eigene Dynamik. Obwohl jede einen anderen Standpunkt einnimmt, konnte ich die Gefühle gut verstehen und auch die jeweiligen Handlungen nachvollziehen. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sein können und dass es mehr als eine Wahrheit geben kann. Über dem Ganzen steht das Thema Kommunikation: Missverständnisse, Unausgesprochenes, verbale und non-verbale Kommunikation und welche Einflüsse sie auf den jeweils anderen haben können. Vieles hätte vermieden werden können, wenn die Beteiligten offen gesprochen hätten. Schön ist dabei der Bezug zu Viktorias Forschungsarbeit und die Kommunikation von Raben. Mein wesentlicher Kritikpunkt ist die Darstellung von Polly. Die männlichen Charaktere werden insgesamt sehr einseitig, oberflächlich und negativ beschrieben, sie zeigen kaum Tiefe und müssen als Ursache für die Übel der weiblichen Welt herhalten. Auch wenn ich durchaus verstehe, dass wir teilweise gesellschaftlich noch weit entfernt sind von einer Gleichstellung aller Geschlechter, kann es nicht die Lösung sein die Männer zu verteufeln. Hier hätte ich mir eine reflektierte Darstellung gewünscht und vielleicht auch einen weiteren Blick auf andere Beziehungsformen. So scheint im Roman vor allem die feministische Sichtweise in den Vordergrund zu treten und lässt andere Optionen eher außen vor, was nicht mehr unserer Zeit entspricht. Insgesamt besticht für mich das Buch durch die komplexe Beschreibung und Dynamik der Dreieckbeziehung zwischen Viktoria, ihrer besten Freundin und Viktorias Tochter. Die Sprache ist schonungslos ehrlich und viele Aussagen haben mich zum Nachdenken angeregt. Trotzdem war die Story für mich nicht ganz rund, als hätten gerade zum Ende hin ein paar Kapitel gefehlt, um manchen Aspekten mehr Tiefe zu geben.
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LESEWETTER

4 Sterne
27.04.2026
Zwischen Nähe und Fremdheit
Dieses Buch hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man merkt, dass viel darin steckt – aber nicht alles erreicht einen wirklich. Was mir von Anfang an gefallen hat, ist das Freundschaftsthema. Die Beziehungen zwischen den Frauen sind vielschichtig, ehrlich und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Genau darin liegt für mich die größte Stärke des Romans. Hier entsteht Tiefe, hier wird es berührend. Auch die Rolle der Tochter fand ich sehr gelungen – sie bringt eine zusätzliche Ebene hinein, die die Dynamiken noch einmal erweitert. Gleichzeitig bin ich mit dem Buch sprachlich nicht richtig warm geworden. Der Stil ist stellenweise sehr direkt, teilweise fast schon plump, und wirkte auf mich nicht immer passend zu den eigentlich sensiblen Themen. Gerade einige Szenen – insbesondere solche, die sehr explizit angelegt sind – haben sich mir in ihrer Funktion für die Geschichte nicht wirklich erschlossen. Sie haben mich eher aus dem Lesefluss herausgebracht, als dass sie etwas hinzugefügt hätten. Ähnlich ging es mir mit dem fiktionalen Element rund um die Raben. Die Idee dahinter ist sicherlich interessant, aber für mich wirkte sie zunehmend konstruiert und hat nicht so recht zur ansonsten eher realistisch und emotional angelegten Geschichte gepasst. Statt die Atmosphäre zu vertiefen, hat es mich eher distanziert. Auch die Entwicklung einzelner Figuren – insbesondere rund um den jüngeren Liebhaber – konnte mich nicht ganz überzeugen. Manche Wendungen wirkten etwas klischeehaft und haben mich emotional nicht wirklich erreicht. Trotzdem: Das Buch lässt sich gut lesen und hat immer wieder Momente, die nachwirken – vor allem dann, wenn es sich auf die inneren Prozesse und Beziehungen seiner Figuren konzentriert. Hier zeigt es, was eigentlich möglich gewesen wäre, wenn dieser Fokus konsequenter gehalten worden wäre. Am Ende bleibt für mich ein Roman, der starke Ansätze hat, mich aber nicht durchgehend abholen konnte. Ein Buch mit schönen, intensiven Momenten – besonders in seinen Figurenzeichnungen – das mich sprachlich und in einigen erzählerischen Entscheidungen jedoch nicht ganz überzeugt hat.
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maisontania

4 Sterne
27.04.2026
Was trägt, auch wenn es ins Wanken gerät
Leise, aber eindringlich erzählt Felicitas Prokopetz in „Schon schwankte die Welt“ von Verbindungen, die tragen – und ins Wanken geraten können. Im Zentrum steht die langjährige Freundschaft zwischen Viktoria und Helene, deren Stärke gerade darin liegt, dass sie nicht frei von Reibung ist. Unterschiedliche Lebensentwürfe und Prägungen schwingen dabei spürbar mit, ohne je plakativ erklärt zu werden. 
Der Roman lebt von seinen Perspektivwechseln, die den Figuren nach und nach mehr Tiefe verleihen. Besonders gelungen ist, wie innere Prozesse sichtbar werden, ohne dass sie ausformuliert werden müssen. Auch Themen wie Kommunikation und das Ausweichen vor unangenehmen Wahrheiten sind fein eingewoben und wirken lange nach. 
Zwischenmenschliche Dynamiken werden differenziert dargestellt – gerade dort, wo erste Gefühle der Realität standhalten müssen. Dabei zeigt der Text ein sensibles Gespür für Ungleichgewichte, ohne sie zu stark zu bewerten. 
Eine besondere, fast leise zweite Ebene bringt das Motiv rund um die Raben hinein, das Fragen nach Verantwortung und Wahrnehmung aufwirft und dem Roman eine eigene Note verleiht. 
 Der Schreibstil ist ruhig, klar und stellenweise beinahe poetisch, die Kapitel angenehm strukturiert. Auch die Gestaltung mit den warmen Farbtönen und dem zunächst unscheinbaren Raben fügt sich stimmig ins Gesamtbild. 
In der Kürze des Romans wird eine Vielzahl an Themen angedeutet – nicht alles wird ausgeleuchtet, manches bleibt bewusst offen. Gerade darin liegt jedoch auch eine Stärke: Vieles wirkt über die Lektüre hinaus nach. 
Ein stiller, vielschichtiger Roman, der zeigt, wie viel auf wenigen Seiten entstehen kann – und der noch eine Weile im Kopf bleibt.

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Apfelmaus

Felicitas Prokopetz

Autorin

Felicitas Prokopetz studierte Philosophie an der Universität Wien und Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie lebt und arbeitet als Autorin und Texterin in Wien.

Portrait: Felicitas Prokopetz

© Tina Herzl