„Es hat manchmal Vorteile, als Unternehmen unterschätzt zu werden.“


Mathis Gerkensmeyer, CFO der Bastei Lübbe AG, über den Buchmarkt als Investitionsumfeld, die Rolle des Unternehmens als Innovationstreiber und Technologie als Zukunftsfaktor.


DAS KAPITALMARKTINTERESSE KONZENTRIERT SICH STARK AUF TECHNOLOGIEKONZERNE. KANN EINE VERLAGSGRUPPE DA NOCH EIN ATTRAKTIVES INVESTMENT SEIN?


Und ob! Jeder Investor weiß, dass es weniger auf eine Branche ankommt, sondern darauf, wie sich ein Unternehmen innerhalb seines Umfelds entwickelt. Wir haben uns im letzten Jahrzehnt strategisch neu
ausgerichtet und konsequent die Digitalisierung genutzt, um Wachstumsfelder zu erschließen. Heute sind wir nicht nur rentabler, sondern auch innovativer als je zuvor. Das sieht man auch daran, dass die Bastei Lübbe-Aktie im April 2025 auf einem Allzeit-Hoch notierte.


WORAUF FÜHREN SIE DEN ERFOLG ZURÜCK? WELCHEN ANTEIL HATTE DAS MARKTUMFELD DARAN?


Ich glaube schon, dass das vor allem unser Erfolg ist! Rückblickend muss man sagen: Es hat manchmal Vorteile, unterschätzt zu werden. Wir haben bewiesen, dass man mit Büchern, mit großen Namen, mit guten Geschichten über alle Medienkanäle hinweg sehr solide Geld verdienen kann – und der Markt hat verstanden, dass es eine überzeugende Wachstumsgeschichte sein kann, wenn auf diesem gesunden Fundament kluge Innovationen folgen.


WO LIEGEN DENN DIE RISIKEN? ODER WÜRDEN SIE SAGEN, DIE GIBT ES GAR NICHT?


Natürlich hat auch unser Geschäftsmodell gewisse Risiken. Es gibt zum Beispiel keine Garantie für Bestseller – auch mit den etabliertesten Autoren nicht. Aber wir können diese Risiken moderieren, indem wir unser Verlagsportfolio breit aufstellen, indem wir den Markt mit innovativen Formaten weiter entwickeln und uns so neue Erlösmodelle erschließen. In den letzten Jahren waren wir damit gerade bei jungen Zielgruppen sehr erfolgreich.


HABEN SIE NICHT DIE BEFÜRCHTUNG, DIE JUNGEN ZIELGRUPPEN WIEDER ZU VERLIEREN? ZUM BEISPIEL DURCH NEUE TECHNOLOGIEN?


Der Erfolg insbesondere bei jungen Zielgruppen hat mit dem tiefen Verständnis für ihre Themen und Bedürfnisse zu tun, nicht unbedingt mit Technologie. Wir haben Verlagsmarken entwickelt, die eine hohe Loyalität erfahren – auch deshalb, weil die Autorinnen und Autoren selbst zur Zielgruppe gehören. Solche Verbindungen überdauern auch
das nächste technische Update.


WIE SEHEN SIE DENN DIE KÜNFTIGE ENTWICKLUNG? WOHIN WIRD DIE REISE GEHEN?


Wir befinden uns ohne Zweifel in einer wirtschaftlichen Ära, die von Technologie getrieben ist. Keine Industrie, kein Unternehmen wird sich zum Beispiel dem Einfluss von KI entziehen können. Man kann diesen Dingen nur mit einer klaren Haltung begegnen. Unser Credo war immer, sich bestimmter Risiken bewusst zu sein, dann aber auf die Chancen zu fokussieren. Unsere finanzielle Stärke und solide Bilanzstruktur geben uns die Freiheit, solche Chancen aktiv zu nutzen. Und die wird es geben, auch und gerade im Buchmarkt.