Das Buch beginnt mit einem Vortrag von Clementine über den im Klappentext angesprochenen Vorfall, den wir aus Sicht von Erika begleiten. Dabei gibt es aber nur Andeutungen und keine konkreten Aussagen, sodass von Beginn an viele Fragen aufkommen und der Leser noch komplett im Dunkeln gelassen wird.
Dieses Konzept wird auch im Folgenden weitergeführt. Die Kapitel wechseln zwischen der Gegenwart, die eine ganze Weile nach der Grillparty spielt, und dem Tag der Grillparty, wobei immer nur Andeutungen gemacht werden und alles sehr allgemein formuliert ist. Der Leser weiß also lange Zeit nicht so richtig, was überhaupt passiert ist und worum sich alles dreht. Unterstützt wird dieses Verwirrspiel durch die wechselnden Perspektiven. Wir bekommen die Geschichte nämlich nicht aus Sicht von ein oder zwei Protagonisten erzählt, sondern von allen, die bei der Grillparty dabei waren.
Diese Form der Erzählung gefällt mir insgesamt zwar sehr gut, leider hat sie bei mir aber ihre Wirkung verfehlt. Mir war nämlich relativ schnell klar was auf der Grillparty vorgefallen sein muss und als die Auflösung dann endlich kam, lag ich damit goldrichtig. Hier gab es nach meinem Geschmack irgendwann einfach zu viele Andeutungen, die in ihrer Summe den Höhepunkt schon verraten haben. Ich hätte es besser gefunden, wenn sich die Autorin teilweise kürzer gefasst hätte, dadurch weniger Anspielungen eingebracht hätte und so das Überraschungsmoment noch gegeben gewesen wäre.
Was mir sehr gefallen hat, ist die Zeichnung der Charaktere und die Übermittlung der Gefühle an den Leser. Moriarty beschreibt hier alles sehr detailliert und durch die wechselnden Perspektiven, kann man sich in jeden hineinversetzen. Man bekommt alles hautnah mit, fühlt mit und kann die Ängste und Sorgen perfekt nachvollziehen.
Als letzten Punkt hätte ich noch die Freundschaft von Clementine und Erika. Diese ist, sagen wir mal „sehr speziell“. Viel mehr möchte und kann ich nicht verraten, ohne zu spoilern, allerdings weiß ich nicht so ganz, was ich davon halten soll. Zum einen spielt es eine wichtige Rolle für die gesamte Handlung, zum anderen war es teilweise für mich nicht ganz nachvollziehbar, beziehungsweise fand ich es etwas übertrieben.
Alles in allem fand ich das Buch aber wirklich gut, auch wenn ich hier keine Lobeshymnen singe. Wie eingangs erwähnt, habe ich viel darüber nachgedacht und es fällt mir extrem schwer diese Gedanken hier zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Hinsichtlich der Spannung habe ich mir mehr erwartet, da verspricht der Klappentext eindeutig zu viel. Die Stärke der Autorin und somit auch des Buches liegt mehr im Erzählen selbst, im Transportierten der Gefühle und im Anregen von Gedanken. In jedem Fall ist es eine gelungene Erzählung, die vielleicht hier und da ein paar Seiten weniger hätte vertragen können, mich aber durchaus gut unterhalten hat.