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    4. Immergrün
    Ruth Olshan

    Immergrün

    Roman

    3.64286 Sterne

    (28 Bewertungen insgesamt)

    Mit den Urnen ihrer Mutter und Großmutter im Kofferraum reist Ruth nach Litauen, um sie in der lang verlorenen Heimat der Familie beizusetzen. Auf der endlosen Fahrt erinnert sie sich an ihre Kindheit nach der Emigration in den siebziger Jahren: Erst in Israel und später in West-Berlin beginnt ein neues Leben, geprägt von Sprachschwierigkeiten, Überlebenskunst und den Hürden der Bürokratie. Die Mutter, einst gefeierte Sängerin, ringt mit Depressionen; Ruth wünscht sich Normalität - und findet Halt in Musik und Sport. IMMERGRÜN ist ein Roman über Exil, Neubeginn und die leise Kraft der Kunst im Schatten großer Umbrüche.

    22,00 €

    Alle Preise inkl. 7% gesetzl. Mehrwertsteuer zzgl. Versandkosten und ggf. Nachnahmegebühren, wenn nicht anders angegeben.

    Produktinformationen

    Verlag

    Pfaueninsel

    Format

    Buch (Hardcover)

    Genre

    Literarische Unterhaltung

    Seitenanzahl

    256 Seiten

    Sprache

    Deutsch

    ISBN

    978-3-69131-007-8

    Pressestimmen

    »Ein lesenswertes Buch über Exil, Scheitern und Neubeginn.«
    MDR
    »IMMERGRÜN handelt von einer komplexen Mutter-Tochter-Beziehung und von Verlorenheit im Exil.«
    Die Presse am Sonntag
    »Wie kann ein Leben gelingen, wenn alle Wurzeln durchtrennt, wenn alle Fähigkeiten nicht anerkannt und alle Möglichkeiten verbaut sind? Und doch geht eine große Kraft von dieser autobiografischen Lebensgeschichte aus.«
    fraeuleinneugier/Instagram

    28 Meinungen zu diesem Titel

    Rezensionen aus der Community

    3 Sterne
    15.05.2026
    Migration-- ein Familienschaden?
    Die Geschichte einer schwierigen Familie, oder die Geschichte einer Familie in schwierigen Zeiten?Das bleibt bis zum Ende der Handlung unklar.Die Geschichte wird aus der Sicht von Ruth, aus der nachfolgenden Generation, berichtet, beginnend von Erinnerungen an ihre Kindheit bis zur Pflicht als Erwachsene für die Beisetzung der Urnen von Mutter und Großmutter zu sorgen.Erzählungen der Mutter aus ihrer Jugend in Litauen, der Zeit in Israel und der Eingliederung in Deutschland sind sehr persönlich gehalten, Bezug zu realen Ereignissen und belegbaren historischem Geschehen sind ausgespart.Es ist die Geschichte einer Familie, einer Sichtweise ohne Reflektion. Legitim in einem Buch der Erinnerung, der persönlichen oder fiktiv gedehnten Erinnerung.Resigniert, erschöpft, ausgelaugt, ist die Erzählerin, überfordert mit ihren Aufgaben.Positive Betrachtungsweise, ein Rückblick in Zufriedenheit wird nicht ermöglicht.Eine Lebensführung des Reagierens, nicht des Agierens prägt die Handlung.Der versöhnlich klingende Ausgang wirft eher Fragen auf, als das sie beantwortet werden.Das ist durchaus nicht realitätsfern, spiegelt den Alltag der Migration,, unabhängig von Land und Nationalität.Es gehört zu aus meiner Sicht, zu den Büchern, bei denen die Lektürezeit nicht zu bedauern ist. Ist es ein Buch, das unbedingt auf den Nachtschrank gehört? Das bleibt der persönlichen Beurteilung vorbehalten.
    User Image

    Monika / LovelyBooks

    4 Sterne
    18.03.2026
    Autofiktional? Absolut gut.
    Zwei Urnen. Mutter und Großmutter. Beide sollen wieder in ihre Heimat. Die Protagonistin Ruth wird nicht nur mit behördlichen Hindernissen konfrontiert ,sondern nimmt auch eine lange Reise in Kauf, während derer sie zurückblickt auf ihre eigene Biografie. Historische Fakten vermischen sich mit einer Familiengeschichte, die Elemente von Hoffnung und Tragik bereithält. Geboren in der damaligen Sowjetunion fühlt sich Ruths Familie mit jüdischem Glauben inmitten des Kommunismus nicht mehr sicher. Eine Ausreise ist geplant und führt zunächst nach Israel. Ruths Eltern hält es jedoch auch hier nicht lang und sie siedeln nach Westdeutschland über. Jahre später sollte auch mit das Aufnahmelager Marienfelde in West-Berlin ein Begriff werden, als meine Eltern mit uns aus der DDR offiziell ausreisen durften. Ein bisschen fühle ich mit Ruth mit, wenn auch ich damals keine Sprachbarrieren hatte.Ruth passt sich schnell an. Ihrer Mutter fällt es schwerer. Der Autorin gelingt es wunderbar, dass ich mich als Leserin spielend leicht in das Kind hineinversetze. Ich kann die Stimmung des Aufbruchs mit der gleichzeitigen Unsicherheit so gut spüren. Die kleine Ruth kommt mit manches Mal sehr verloren vor. Die Eltern sind so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass Ruth viel mit sich selbst beschäftigt ist.Ein bisschen bestätigt es auch das Klischee, dass Kinder migrantischer Familien irgendwann alles Organisatorische managen. Was für ein Zwiespalt für ein Kind - Kind sein wollen aber oft genug nicht Kind sein können. Ruth Olshan schreibt so, als wäre ich direkt dabei. Nicht nur bloße Zuschauerin. Ich fühle mit. Bin so nah dran. Auch bei der Mutter, deren Träume in Deutschland zerplatzen. Manchmal bin ich auch wütend. Muss die kleine Ruth shon die Holocaust Serien sehen? Sich allein uns Essen kümmern. Die Schule managen. Irgendwann wird klar, die Mutter kann nicht anders. Ich will auch gar nicht so viel vorweg nehmen, aber ich kann nur sagen, lest dieses Buch. Es ist ein Buch über Träume, über Migration, über verlorene Kindheiten. Was ich sagenhaft finde, trotz der Themen wirkt dieses Buch nie schwer, als wäre das immer auch Licht an Ende des Tunnels.
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    Linda_Nicklisch / LovelyBooks

    4 Sterne
    13.03.2026
    Tiefer Schmerz und größter Optimismus
    Ruth Olshans Roman „Immergrün“, ist die Familiengeschichte der Autorin, die in einer ruhigen, reflektieren Sprache über Emigration und die Suche nach Identität erzählt. Ich habe das Buch sehr gern gelesen und insbesondere die beiden Handlungsstränge gemocht. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Erzählerin Ruth, die sich auf eine Reise nach Litauen begibt und deren Geschichte wir von ihrer Kindheit bis zur Einlösung ihres Versprechens in Litauen verfolgen. Im Auto transportiert sie die Urnen ihrer Mutter und Großmutter, um sie in der alten Heimat der Familie beizusetzen. Während dieser Fahrt blickt sie auf ihre eigene Lebensgeschichte zurück und erinnert sich an die wechselvolle Vergangenheit ihrer Familie. Diese führte sie von Litauen nach Israel und schließlich nach West-Berlin. Besonders prägend ist dabei das Verhältnis zur Mutter Vida, die einst als talentierte Sängerin auftrat, später jedoch zunehmend mit persönlichen Krisen und Depressionen zu kämpfen hatte. Ruth wächst zwischen verschiedenen Kulturen, Sprachen und Erwartungen auf und versucht dabei, ihren eigenen Platz im Leben zu finden.Der Roman lebt weniger von dramatischen Wendungen als von seinen eindringlichen Erinnerungen, fein beobachteten Momenten und emotionalen Zwischentönen. Ruth Olshan gelingt es, die Themen Migration, Entwurzelung und familiäre Bindung sensibel und nachvollziehbar darzustellen. Gleichzeitig zeigt die Geschichte auch, wie Musik, Kunst und persönliche Stärke helfen können, schwierige Erfahrungen zu verarbeiten.Mir haben besonders die einfühlsame Sprache und die authentische Darstellung der Familiengeschichte gefallen. Gerade weil der Schreibstil distanziert ist und auch Lücken in der Geschichte bleiben, fühlt sich die Erzählung für mich authentisch und stark an. Ich bin selbst in einem Land aufgewachsen, welches es nicht mehr gibt, musste mich nur innerdeutsch neu orientieren, kann aber deshalb die Gefühle der Autorin gut nachvollziehen. Dieser Teil des Buches, der sich mit der Wende und der Zeit danach beschäftigt, hat mir besonders zugesetzt. Aber allgemein hat mich sehr geschmerzt, wie einsam Ruths Erwachsenwerden mit der depressiven Mutter und dem irgendwie abwesenden Vater und den immerwährenden Streitigkeiten der Beiden war. Der Selbstmordversuch der Mutter hat mir fast das Herz gebrochen! Ich habe auch viel über Sozialhilfe und staatliche Verantwortung nachgedacht, was ist ein Staat seinen Bürgern schuldig und was sollte oder muss jeder Einzelne beitragen.Insgesamt ist „Immergrün“ ein stiller, aber sehr eindrucksvoller Roman, der emotionale tief, stilistisch jedoch etwas sperrig ist. Ich konnte mich gut auf diese lose Struktur einlassen, habe mit Ruth mitgefühlt, mitgelitten und vieles für mich mitgenommen.
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    KatMa / LovelyBooks

    3 Sterne
    09.03.2026
    Singen gegen die Angst
    Erzählungen über Herkunft, Exil und Neubeginn sind mit die stärksten Geschichten, die ich kenne. Als behütetes Kind auf dem Land war ich fasziniert davon, dass ein Teil unserer Verwandtschaft in einem anderen Land lebte, in der man zwar die gleiche Sprache sprach, aber in das ich und meine Eltern nicht einfach zusammen reisen konnten. Allenfalls konnte die Verwandtschaft uns besuchen. Noch krasser fand ich die Familiengeschichte meines Großvaters, dessen Familie nach dem Ersten Weltkrieg tief aus dem Osten „zurück“ nach Deutschland kam und sich zum wiederholten Mal ein neues Leben aufbauen musste. Für mich waren es nur Geschichten, für die Erwachsenen zum Teil lebensbestimmend. Ruth Olshans Geschichte ist im Vergleich zu der meiner Familie atemberaubend. In Litauen geboren, mit den Eltern nach Israel ausgewandert, um am Ende in Deutschland Fuß zu fassen und die Asche der Mutter und Großmutter mit dem letzten großen Gefallen zurück in die Heimaterde zu bringen. Soviel Historie in diesen bewegten Jahrzehnten von einem Vor und einem Hinter dem Eisernen Vorhang. Von einem Neubeginn im geteilten Berlin, in dem die Mauer plötzlich unversehens im Hinterhof auftauchen kann und in der die Bürokratie des Sozialstaats rettend und zermürbend zugleich sein kann. In wechselnden Zeitsprüngen lässt uns Ruth Olshan als Ich-Erzählerin an ihrer Familiengeschichte teilhaben, erzählt von ihrer litauischen Mutter, die eine Karriere als Sängerin in der Sowjetunion aufgab, um mit ihrem ukrainischen Mann nach Israel auszuwandern, und erzählt von sich als Tochter, die in Deutschland Wurzeln fasste, während die Ehe der Eltern zerbrach und die Mutter sich langsam aber stetig dem Wahn ergab. Erzählt auch von sich als erwachsene Frau, die die Asche ihrer Lieben mit dem Auto nach Litauen bringt und im Familiengrab beisetzten lässt. Es steckt soviel Geschichte in Olshans Kapitel, die aus dem knapp 250Seitenstarken Roman locker einen 1000Seiter hätte machen können, wenn die Autorin sie hätte auserzählen wollen. Aber gerade ihr reduzierter, episodenhafter Erzählstil ist ergreifend und bewegend, und macht deutlich, wie es uns eben mit unserer Familiengeschichte meistens ergeht – man hat uns in der Kindheit und Jugend immer wieder dieselben Geschichten erzählt, die wir selten und fast immer zu spät hinterfragen. Oder über deren Details bis zuletzt geschwiegen wird. Religion, Krieg und Verfolgung, der Überlebenskampf in autoritären Staaten prägten die Generationen ihrer Eltern und Großeltern und haben auch unwillkürlich Einfluss auf das Leben der jungen Ich-Erzählerin, die sich unbedingt anpassen will in diesem Deutschland und die Sprache bald besser spricht als ihre Mutter- und Vatersprache. Es ist ein mühsamer Kampf das chaotische Zuhause mit dem Grundbedürfnis an Ruhe und Ordnung in Einklang zu bringen, und doch findet Ruth ihren Weg, während die Mutter sich verliert und psychisch erkrankt. Die große Stärke in dieser Geschichte ist für mich das ausgewogene Erzählen in Hinblick auf die Figuren. So sehr es mich schmerzt, die junge Ruth sich selbst überlassen erleben zu müssen, so sehr kann ich auch mitfühlen mit ihrer Mutter, die entwurzelt immer schwerer die Füße auf den Boden bekommt. Da schwingt im Erzählen keine Bitternis oder Schuldzuweisung mit. Die Schilderung der eigenen Situation lässt auch Raum für Verständnis und Empathie der Mutter gegenüber. Überhaupt lässt die Autorin viel Raum im Erzählen. Das gefällt mir überraschend gut. Ich kann mir trotzdem ein gutes Bild machen, ohne alle Einzelheiten im Detail zu kennen. In starken Bildern wird zudem Wichtiges auserzählt, so dass sich das Grundgefühl komplett auf mich als Lesende überträgt und ich zum Beispiel das fettige, dicke Marmeladenbrot fast selbst zu schmecken und fühlen meine. „Immergrün“ ist keine leichtfüßige Lektüre, aber ich habe mich gern auf diese Familiengeschichte eingelassen und bin gut mit ihren Ecken und Kanten zurecht gekommen.
    User Image

    Marapaya / LovelyBooks

    Ruth Olshan

    Autorin

    Ruth Olshan ist ukrainisch-litauischer Herkunft. In Moskau geboren, wuchs sie in Israel und in Berlin auf, wo sie heute noch lebt. Sie studierte Regie und Filmproduktion in Leeds (UK) und Köln, arbeitet als Regisseurin und Autorin und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den Richard-Attenborough-Preis, den Friedrich-Wilhelm-Murnau-Preis, den Deutschen Fernsehpreis und die Goldene Kamera für den besten Film. Seit 2018 arbeitet sie als Professorin für Regie an der ifs Köln und lehrt an weiteren Hochschulen im In- und Ausland. Immergün ist ihr Romandebüt.

    Mehr erfahren
    Portrait: Ruth Olshan

    © Urban Zintel

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