Begeistert. Seit 1953.
Wir erzählen die Unternehmensgeschichte von Bastei Lübbe. In 5 Unternehmensgeschichten.
Wir erzählen die Unternehmensgeschichte von Bastei Lübbe. In 5 Unternehmensgeschichten.
Als Gustav Lübbe, in der Nachkriegszeit Feuilleton-Redakteur bei einer Zeitung in Osnabrück, im Jahr 1950 Teilhaber bei einem kleinen Kölner Verlag wurde, verließ er sich auf sein Bauchgefühl. Der Bastei-Verlag, benannt nach den Zinnen einer Stadtbefestigung am Kölner Hafen, brachte so genannte Groschenromane heraus, die seinerzeit auf großes Publikumsinteresse stießen. Lübbe war fasziniert vom Erfolg der Romanhefte, hielt sich aber zunächst mit eigenen Ideen zurück. Die Geschäfte, geführt von Gründerin Ilse Tormin, liefen leider nicht ganz wie
erhofft, 1953 verschlimmerte sich die ohnehin ange-pannte Lage. Ein Konkurs drohte.
Gustav Lübbe besprach sich mit seiner Frau Ursula, die er 1949 geheiratet hatte, die über Jahrzehnte seine wichtigste Ratgeberin war und die die spätere Verlagsgruppe maßgeblich mitgestalten sollte. Die Frage, die ihm Raum stand, lautete: Sich mit Verlusten zurückziehen oder den Bastei-Verlag komplett übernehmen? Das Ehepaar Lübbe zeigte Mut. Doch der Weg zu einer der größten deutschen Verlagsgruppen war noch weit. Das junge Paar
zog nach zunächst Bergisch-Gladbach und führte von dort aus die Geschäfte weiter – aus einer fensterlosen Garage heraus. Die nächsten Schritte waren nicht einfach, doch schließlich bestätigte sich das Bauchgefühl, das Gustav Lübbe anfangs geleitet hatte. Mit „Jerry Cotton“, 1954 als Krimiheld auf den Markt gebracht, begann der Erfolg von Bastei Lübbe, heute eine der größten Verlagsgruppen Deutschlands.

Seit 1956, also seit ihren Anfängen, war die „Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG““, wie sie korrekt hieß, Bergisch-Gladbach treu geblieben, sie residierte im Gewerbegebiet Zinkhütte. Aber schon seit einiger Zeit war über
einen Umzug spekuliert worden, die „Kölnische Rundschau“ hatte ihn seit Monaten angekündigt. Schließlich, zum Jahresende, kam die Bestätigung. Der Verlag werde neue Räumlichkeiten in Köln beziehen, genau gesagt im
„Carlswerk“, einem aufstrebenden Gewerbehof in Köln-Mülheim. Dort habe man 6.000 Quadratmeter im alten Verwaltungsgebäude des Kabelherstellers Felten und Guillaume angemietet – recht großzügig im Vergleich zur
bisherigen Unternehmenszentrale. Stefan Lübbe machte seinerzeit in einem Interview mit dem „Börsenblatt“ deutlich, dass sich mit dem neuen Standort nicht nur die Adresse ändern werde, sondern auch das Selbstverständnis des Unternehmens. „Ich sehe Lübbe nicht mehr nur als Verlag, sondern als Medienhaus“, erklärte er und setzte hinzu: „Lediglich Bücher zu machen, das ist zu wenig“. Dieses begründete auch die Umfirmierung des Unternehmens zur „Bastei Lübbe GmbH & Co KG“. Der Wandel zum breit aufgestellten
Medienhaus ist inzwischen natürlich längst vollzogen und auch der Standort Köln-Mülheim wird, sowie man hört, von Partnern, Autorinnen und Autoren und Mitarbeitenden gleichermaßen geschätzt.

Für Stefan Lübbe, der 2013 als Generalbevollmächtigter und Haupteigner die Geschäfte von Bastei Lübbe leitete, war der Tag des Börsengangs des Unternehmens, das seine Eltern sechzig Jahre zuvor gegründet hatten, nicht ohne Risiko. Das Unternehmen hatte soeben den Wandel von einem Verlag zu einem multidimensionalen Medienhaus vollzogen und Interesse daran, sich für eine etwaige weitere Expansion frisches Kapital zu sichern. Andererseits war er sich durchaus bewusst, dass eine „Stunde der Wahrheit“ bevorstand.
Trotz minutiöser Vorbereitung und trotz sehr guter Resonanz auf der so genannten Road Show durch europäische Hauptstädte konnte niemand vorhersagen, welchen Wert die Investoren der von nun an im Prime Standard
der Frankfurter Wertpapierbörse gelisteten Aktie zuschreiben sollten. Welche Strahlkraft kann ein Unternehmen entfalten, dessen vorrangiges Geschäftsfeld ausgerechnet der vermeintlich kriselnde Buchmarkt ist? Wie glaubwürdig ist der optimistische Ausblick vor dem Hintergrund einer bedrohlich wirkenden
Digitalisierung?
30 Millionen Euro hat der Börsengang dem Unternehmen seinerzeit an Kapitel zugeführt. Heute, 12 Jahre später, ist die Bastei Lübbe AG eine feste Größe unter den mittelständischen, börsennotierten Unternehmen. Insbesondere die strategischen Weichenstellungen der letzten fünf Jahre haben die Kurse erheblich steigen lassen. Vor allem aber wurde jenes Grundversprechen eingelöst, mit dem Stefan Lübbe einst das Börsenparkett betrat: Dass eine
Verlagsgruppe in einem von Technologie dominierten Umfeld progressiv sein und Investoren reizvolle Perspektiven aufzeigen kann.

Bei manchen Bestsellern ist schon vor ihrem Erscheinen sehr wahrscheinlich, dass sie tatsächlich zu Bestsellern werden. Der erste Verkaufstag von Büchern wie „The Secret of Secrets“ von Dan Brown ist ein Weltereignis, das monatelang in vielen Ländern minutiös vorbereitet wird und einer präzisen Dramaturgie folgt. Dennoch beruht der Erfolg nur zu einem Teil auf professionellem Marketing; mindestens ebenso wichtig ist es, gerade Autorinnen und Autoren, die einen großen Namen tragen, ein Zuhause zu bieten. Bastei Lübbe verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen in der Betreuung von entsprechenden Autoren – von etablierten Namen wie Ken Follett und Jeff Kinney hin zu jüngeren Bestseller-Autorinnen wie Mona Kasten oder Rebecca Gablé. Vertrauen ist dabei die Grundlage von allem. Wir kennen die kleinen Vorlieben unserer Autorinnen und Autoren im beruflichen
Alltag ebenso gut wie ihre Bedürfnisse in Bezug auf Übersetzungen, Vermarktung, Lesereisen usw. Wir verstehen diese Autoren als Marke und leisten unsererseits einen Beitrag dazu, dass diese Marke von ihren
Leserinnen und Lesern geliebt wird. Am Ende ist es schwer zu sagen, was „Zuhause“ für einen Bestseller-Autor
bedeutet. Vielleicht ist es ein Moment wie neulich, auf zwei einfachen Holzbänken auf 1.600 Metern Höhe in den bayerischen Alpen. Auf ihnen saßen wir und andere Verlags-Kolleginnen und -Kollegen zusammen mit Jeff
Kinney, um über ein Projekt jenseits von „Greg´s Tagebuch“ zu sprechen. Bis er auf einmal sagte: „Gibt´s hier eigentlich auch ein Bier?“

Der Buchhandel funktioniert eigentlich nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten, die Zielgruppen sind sortiert, die Genres säuberlich getrennt. Wirkliche Überraschungen? Gibt es nicht so oft. Rückblickend ist nicht ganz klar, wann
und wie genau sich „New Adult“ als Branchen-Phänomen entwickelt hat. Manche sagen, es habe mit der zurückliegenden Pandemie und dem damit verbundenen Rückzug auf sich selbst zu tun. Fakt ist: Eine ganze,
überwiegend weibliche Generation ist seit einiger Zeit dem Lesen verfallen. Es ist das Lebensgefühl des Noch-nicht-ganz-erwachsen-Seins, das Genre übergreifend in ganz unterschiedlichen Geschichten thematisiert wird. Bastei Lübbe hat den Trend sehr frühzeitig erkannt und mit LYX eine eigene Verlagsmarke gegründet. Dort erscheint unter anderem die „Maxton Hall“-Reihe von Mona Kasten, ein New-Adult-Bestseller, der inzwischen als serielle Verfilmung auch auf Amazon Prime weltweit Erfolg hat. Überhaupt ist medienübergreifende Präsenz ein Muss. LYX hat allein auf Instagram über 190.000 Follower:innen (Stand September 2025) und richtete 2024 erstmals das „LYX-Festival“ aus, das im Kölner Gürzenich stattfand und über 4.000 New-Adult-Fans anlockte. Dort konnten die Leser:innen ihre Autorinnen persönlich treffen. Das war dann fast schon wieder klassisch.