„Sie war hier. In meinem Revier, meinem Territorium, meinen Klauen.
(Christian über Arya in Cruel Castaways - Rival)
Worum geht’s?
Christian Miller hat sich als rücksichtsloser Anwalt in New York einen Namen gemacht. Der Selfmade-Millionär hat nur ein Ziel: endlich Rache an Hedgefonds-Tycoon Philipp Roth nehmen, der Christians Leben zerstörte, weil er als Teenager dessen Tochter Arya küsste. Als eine Klientin Roth nun der sexuellen Belästigung beschuldigt, sieht Christian seine Chance gekommen. Nur eins steht ihm im Weg: seine Jugendliebe Arya, die als Pressesprecherin ihren Vater verteidigt. Arya weiß nicht, dass Christian der Junge von damals ist, doch er hat sie nie vergessen können. Als beide auf entgegengesetzten Seiten stehen, entflammen alte Gefühle. Und Christian muss sich entscheiden: Rache oder die große Liebe?
Cruel Castaways – Rival ist Band 1 der Cruel Castaways Reihe. Das Buch ist in sich geschlossen, die männlichen Charaktere aus Band 2 und 3 kommen jedoch schon vor.
Inhaltliche Hinweise
Die Geschichte wird durch Arya und Christian in der Ich-Perspektive erzählt. Das Buch spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Es beinhaltet sexuellen Content. Das Buch beinhaltet potenziell triggernde Themen.
Meine Meinung
LJ Shen ist eine meiner absoluten Autobuy-Autorinnen und entsprechend war es keine große Überraschung, dass auch das neuste Werk bei mir einziehen musste. Es ist eine neue, komplett unabhängige Reihe und ich war gespannt auf das neue Universum und die neuen Charaktere.
Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Es gibt die jugendlichen Arya und Christian, beide könnten kaum gegensätzlicher sein. Er ist der Sohn der Haushälterin, sie die Tochter des großen Tycoons und Papas absolute Prinzessin. Trotzdem verbindet beide eine Freundschaft, die mit der Zeit zu mehr wird. Dies ist Aryas Vater ein Dorn im Auge und er sorgt dafür, dass Christian verschwindet und in einem grausamen Internat aufwächst. Jahre später, in der Gegenwart, treffen beide unfreiwillig wieder aufeinander. Aryas Vater ist wegen sexueller Belästigung angeklagt und Christian – mittlerweile Anwalt – hat Freude daran, ihn nun zu zerstören. Und auch mit Arya hat er noch eine Rechnung offen, er will sie leiden sehen. Arya hingegen versteht nicht, wieso sich sie zu Christian so hingezogen fühlt und gleichzeitig ihn so sehr hasst – denn sie erkennt ihren Jugendfreund nicht wieder. Und so beginnt ein Hin und Her mit vielen Verletzungen, aber auch guten Momenten.
Dieses Buch fällt für mich unter die Kategorie „aus der Mücke einen Elefanten machen“, aber nicht im Hinblick auf Christian, sondern Aryas Vater. Sobald nach und nach alles enthüllt wird, fragt man sich, wie es so eskalieren konnte. Und hier steckt das erste Problem: Das Fundament der Feindschaft ist in meinen Augen sehr konstruiert und wenig greifbar, weil die Aktion zu extrem ist. Gleichzeitig ist der Hass von Christian verständlich und auch das Verfahren in der Gegenwart läuft ziemlich eindeutig. Das alles zusammengesetzt bringt das Problem mit, wie Christian und Arya eine gute zweite Chance kriegen sollen bei all diesen Umständen. Ich würde gern sagen, dass die Autorin hier eine gute Erklärung gefunden hat, dem ist aber leider nicht so. Während die erste Hälfte noch einen guten Spannungsbogen hatte (was vor allem daran lag, dass man verstehen möchte, was in der Vergangenheit passiert ist und auch, wieso Arya ihn nicht erkennt), die zweite Hälfte plätschert dann aber leider sehr ziellos umher. Vorhersehbare Entwicklungen, hier und da kleinere Logiklöcher und irgendwie fehlte das gewisse Etwas.
Die Liebesgeschichte ist relativ solide, keine übermäßig komplexe Entwicklung, die Enemies to Lovers-Latte liegt hier eher im Mittelmaß und es gibt keine tiefgreifenden Verletzungen oder blanken Hass untereinander. Es gibt jede Menge Missverständnisse, fortgesetzte Lügen und eine durchschnittliche (für die Autorin allerdings niedrige) Spice-Dosis. Arya hat mir anfangs mehr gefallen als im Verlauf, insbesondere weil ich sie zunehmend als naiv wahrnehme, was gar nicht zu ihrem Charakter passt. Christian hat mir besser gefallen, sein Hintergrund wird ganz gut ausgebaut und gibt Raum für viel mehr, denn auch seine Freunde aus Band 2 und 3 lernt man schon kennen. Tatsächlich empfand ich die beiden aber auch als interessanter als Christian selbst. Er ist kein Badboy, eigentlich sogar eher ein verletzter, rachedurstiger Goodguy.
Die Entwicklungen fand ich zum Großteil leider langweilig. Das Verfahren ist anfangs noch interessant, verliert aber schnell seinen Reiz, zumal das Ende klar ist. Die Umstände waren noch etwas spannend, die familiären Geschichte um Christian und Arya hatten auch Potenzial. Aber insgesamt wirkte das Buch für mich sehr durchschnittlich und fast so, als hätte die Autorin einfach schnellstmöglich eine Geschichte abliefern müssen, die ein wenig Sinn macht. Die wirklich typischen LJ Shen-Elemente haben mir zu sehr gefehlt. Nette Story, vor allem vielleicht auch für Subgenre-Einsteiger gut geeignet. Aber die Autorin kann es eigentlich besser.
Mein Fazit
Cruel Castaways – Rival ist ein solider Reihenauftakt, aber bleibt hinter den typischen LJ Shen-Büchern hinterher. Slowburn Second Chances mit sehr dezenten Enemies-Vibes, wo aber hier und da einfach die Substanz fehlt. Nicht das stärkste Buch, aber dennoch lesenswert.
[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]